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| Südkurier,
22. Februar 2003 Mit beschwingtem, farbigem Sound
Wie
ein Blick in den abgedunkelten Saal und auf das Franziskaner-Podium in Villingen
verriet, war bei dem mit Spannung erwarteten fünften Meisterkonzert (Großer
Zyklus) mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (Ludwigshafen) unter der Leitung
von Frank Strobel nicht nur der Zuhörer, sondern auch der Zuschauer gefordert:
Das Publikum wurde mit dem Chaplin-Film "Goldrausch" in die Endphase
der Stummfilmzeit versetzt, und wie in einem "Lichtspielpalast" erklang
die Begleitmusik mit großem Orchester. Bekanntlich dienten am Beginn
des 20. Jahrhunderts mechanische Instrumente, aber auch Klavier, Harmonium oder
eine kleine "Salonbesetzung", zur Untermalung der "lebenden Bilder".
Dirigent Frank Strobel bot dazu vielen interessierten Besuchern vor dem Konzert
eine fundierte Einführung in den Themenkreis "Stummfilm - Tonfilm". "The
Gold Rush" (1925 uraufgeführt) war Charlie Chaplins achtes größeres
Filmwerk. Der 1889 in London geborene Sohn eines Komikers lebte damals schon 15
Jahre lang in den USA, hatte sein eigenes Studio in Hollywood und war Autor, Produzent,
Regisseur, Hauptdarsteller in Personalunion; der Komponist Chaplin, der alle seine
Filme mit Musik versah, wurde meistens übersehen. Sicher tiefstapelte
der millionenschwere Allroundman ein wenig, als er 1931 in einem Interview bekannte,
dass er kein Komponist sei, sondern nur "la-la-la" vorgesungen habe,
und Profis schrieben danach die Partituren. Nur wenige Jahre nach "Goldrausch"
kam der Tonfilm auf, Stummfilme - wie sie plötzlich hießen - waren
passe. Der geschäftstüchtige Chaplin machte einige seiner alten Erfolge
zu Tonfilmen, indem er die Originalkompositionen mit Neubearbeitungen vereinte.
"The Gold Rush" wurde 1942 entsprechend arrangiert - hier war die originale
Musik verloren gegangen - die heutige restaurierte Fassung stammt von Carl Davis
(1994). Nach der hinreißenden Aufführung des Filmkunstwerks stellen
sich natürlich einige Fragen: Hat Chaplins Filmmusik die gleiche Qualität
wie sie die namhaften Zeitgenossen wie Honegger oder Schostakowitsch zu meist
literarisch geprägten Werken lieferten? Ist sie vielleicht eher als routinierte
Hörspiel- oder Bühnenmusik einzuschätzen, die emotionale Seh-Eindrücke
zu vertiefen vermag, mithin Ort, Zeit und Stimmung der Handlung unterstreicht? Ist
sie adäquat der von Chaplin zumeist intuitiv gestalteten Bildwirkung, der
tiefgründigen oder grotesken Situationskomik? Ein gewisses Zaudern ist sicher
schon deshalb angebracht, weil die (arrangierte) Filmvertonung ein wahres Stilgemisch
darstellt: Chaplin und seine Helfer mischen einige musikalische Erfindungen bedenkenlos
mit bekannten Melodien von Rimski-Korsakow, Wagner oder Tschaikowsky. Diese
Stücke waren der Staatsphilharmonie besonders ans Herz gewachsen, doch machten
ihr auch die originalen Chaplin-Walzer und die im Streichersatz offenkundigen
Anleihen von Puccini oder Lehar viel Spaß. Der beschwingte, farbige Sound
des Sinfonieorchesters war erstaunlich eigenständig, wurde aber von Frank
Strobel zwingend immer synchron zum Film (der das Tempo vorgab) gehalten. Die
Musiker reagierten dabei überaus flexibel und überraschten in der "Silvesterszene"
sogar mit hymnischem Gesang. Noch nie hat man eine solch überzeugende und
perfekte Live-Begleitung gehört, auch wenn das bewegte Bild fast unentwegt
im Vordergrund stand. Nach anderthalb Stunden gab es riesigen Beifall, der
"Hummelf lug" wurde wiederholt, und jeder hatte den Eindruck, Villingen-Schwenningens
Kulturamtsleiter Axel Schmidt-Scherer sei mit dieser Programmauswahl ein "guter
Griff" gelungen. PETER SCHINNERLING
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Südwest-Presse,
21. Februar 2003 Tänzerische Heiterkeit Charlie
Chaplins "The Gold Rush". Auf unsere Zeit übertragen, ist es ungefähr
so, als hätte Hollywood-Wunderkind Steven Spielberg bei - sagen wir einmal
- seinen Indiana Jones-Filmen nicht nur Regie geführt, sondern auch Vorlage
und Drehbuch geliefert, den abenteuerlustigen Altertumsforscher selber gespielt
und obendrein noch die Musik komponiert. Sicher, der Vergleich hinkt insofern,
als dass die Herstellung eines Spielfilms heutzutage weitaus komplexer abläuft
als zur Zeit der Entstehung von Chaplins Meisterwerk. Dennoch war dies für
seine Zeit eine extrem aufwändige Produktion, die bis auf den heutigen Tag
nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hat. Die "Franziskaner-Lichtspiele"
waren voll besetzt, als Frank Strobel mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
den wohl aul3ergewöhnlichsten Programmpunkt des diesjährigen Großen
Meisterkonzert-Zyklus präsentierte. Viele neue, junge Gesichter waren zu
sehen, was dafür spricht, dass Kulturamtsleiter Schmidt-Scherers Versuch,
"neues Publikum" in die Meisterkonzerte zu locken, zumindest an diesem
Abend von Erfolg gekrönt war. Gezeigt wurde die von Chaplin im Jahre 1942
neu geschnittene Fassung des 1925 gedrehten Stummfilm-Epos, in welchem der arme
Tramp Chaplin sich als Goldsucher am Klondike versucht, Hunger und Entbehrungen
mannigfacher Art heil übersteht und zum Schluss nicht nur als Multimillionär,
sondern obendrein glücklich verliebt am Arm seiner Georgia heimkehrt. Ein
riesiges Vergnügen, wie Chaplin im charakteristischen Wackelschritt durch
die verschneite, eisige Berglandschaft zieht, (...) Für sein anrührendes
cineastisches Meisterwerk hat Chaplin eine Musik komponiert, welche gerade in
der sinfonischen Fassung die Stimmungen und Szenen so treffend kommentiert, dass
man sich eine andere Form der Präsentation gar nicht vorstellen mag - "Film"-Musik
im allerbesten Sinne eben. Da wird, je nach Situation, ausgiebig von Wagner bis
Rimski-Korsakow zitiert, in dramatischsten Tiefen gewühlt, tänzerische
Heiterkeit ausgelebt -ja, in seiner Liebesgeschichte erweist sich Multitalent
Chaplin gar als unverbesserlicher Romantiker, so voll Hingabe und Verzückung
sind Bilder und Musik aufeinander abgestimmt. Schade fast, dass das Geschehen
auf der Großleinwand die ganze Aufmerksamkeit des Publikums fordert, denn
die Musiker der Staatsphilharmonie erwiesen sich als glanzvoller, hochmusikalischer
und voll Spielfreude agierender Klangkörper, beweisen gar mit dem Vortrag
des Liedes "Auld Lang Syne" sängerische Begabung. Eine hervorragende
Gesamtleistung, zumal die Musik genau auf die Szenen abgestimmt ist, was außergewöhnliche
Präzision voraussetzt, die auch erreicht wird und zwar ohne die musikalische
Qualität im geringsten zu beeinflussen. Hochkonzentriert, voller Hingabe,
dennoch immer souverän und präzise, mit beinahe schlafwandlerischer
Sicherheit leitet Dirigent Strobel das musikalische Geschehen - sinfonische Filmmusik
auf höchstem spielerischem Niveau. Man sollte sich nun nicht dem Irrtum hingeben,
dass eine Filmvorführung mit sinfonischer Orchesterbesetzung zu jener Zeit
die Regel war - diese Form der Präsentation blieb auch damals wenigen großen
Häusern in den Metropolen vorbehalten.(...) JÖRG
WENZLER
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Süddeutsche
Zeitung, 20. Februar 2003 Hauch von Luxus Die
derzeitigen Münchner Witterungsverhältnisse machten es leicht, den gedanklichen
Sprung nach Alaska zu wagen, über den berüchtigten Chilkoot-Pass hinein
in die Schnee- und Eiswüste des Klondike. Dort, wo einst auch der junge Dagobert
Duck den ersten Dollar als einsamer Goldgräber machen konnte, spielt Charlie
Chaplins "Gold Rush", das jetzt einmal wieder zu besichtigen war - in
der Philharmonie am Gasteig, und zwar mit Live-Musik. Charlie Chaplin, das Multitalent,
hatte die Filrnmusik zu seiner 1942er Neufassung des Films selber komponiert;
da aber das restaurierte Original von 1925 eine Viertelstunde länger dauert,
wurde Chaplins Partitur von Carl Davis gestreckt und adaptiert. Nun war es
hier freilich weniger Aufgabe des Orchesters, eklatant klangschön zu spielen,
als vielmehr präzis und bildsynchron; dennoch hat die Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz, unter dem Filmmusikexperten Frank Strobel, durchaus einiges geleistet
hinsichtlich feiner Orchesterkultur. Auch Chaplins Musik, mit manchem Zitat zwischen
Tschaikowsky oder Rimskij-Korsakow, und allemal wirkungsvoll und charakteristisch,
tat ihre Pflicht. Großartig der Silvesterklassiker "Auld Lang Syne"
("Nehmt Abschied, Brüder"), mit einem Teil des Orchesters als gemütvollem
Chor. Einen Hauch von Luxus hatte diese Veranstaltung, Kino mit Konzertglanz;
sowas wollte man gerne öfter haben. Allerdings scheint sich keine goldene
Nase damit verdienen zu lassen, ausverkauft war der Saal nicht. Vielleicht aber
doch eine Möglichkeit für Orchester, die von der Kulturkrise betroffen
sind, das Überleben zu sichern? JOHANNES RUBNER
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Süddeutsche
Zeitung, 10. Februar 2003 Angelpunkt Der
Toilettenmann im Herrenklosett der Hotel Atlantic avanciert - ein Filmwunder -
zum Millionär im Happyend-Nachklapp von F.W. Murnaus Stummfilm "Der
letzte Mann". Und das Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken unter Frank
Strobel liefert dazu live den entfesselten Charleston. Dabei hatte der arme
Teufel, den Emil Janning s fast eine Stunde lang als vierschrötigen, nur
von seiner stolzen Livree geadelten Hotelportier zu spielen hat, am Ende eigentlich
keine Chance mehr im Leben, als altes Eisen degradiert zum Toilettenmann, den
die reichen Gäste schurigeln. Musik melancholisch, pathetisch dräuend.
Dann dieses Wunder am Ende, der Mann erbt plötzlich die Millionen, wird stumm
prustend zum Nabob, den Scharen befrackter Kellner mit Austern und Champagner
traktieren. Ein lieto fine, wie es im Buch steht - eigentlich Oper wortlos. Die
Murnau-Retrospektive der Berlinale präsentiert die Uraufführung der
restaurierten Fassung von Murnaus Meisterwerk von 1924, das, im Auftrag von ZDF/ARTE,
von dem Henze-Schüler Detlev Glanert musikalisch neu bearbeitet wurde. Dabei
konnte sich der 1960 geborene Komponist, der schon vier Opern geschrieben hat,
auf die Originalfilmmusik berufen. Sie stammt von dem in Berlin naturalisierten
Italiener Giuseppe Becce, dem die Entwicklung der Filmmusik entscheidende Impulse
verdankt. Die Vertonung Becces, lediglich als Klavier- und Violinstimme erhalten,
ist nicht vollständig überliefert. Hier spielt Detlev Glanert, der sich
an Mahler und Ravel geschult hat, seine Kunst der Anverwandlung souverän
aus. Er verfügt über die volle Orchesterpalette, er arbeitet mit Zitaten
und Scheinzitaten - Murnaus geniale Hoteldrehtür beispielsweise, "der
Angelpunkt des Films, Menschen herumwirbelnd" (Frieda Grafe), verführt
ihn schier zu einer Neudefinition von Puccinis zweitem "Boheme"-Akt.
Freilich, Murnaus Bildersog von Räumen, von Gesichtern - Jannings' Kopf,
ein Gebirgsmassiv! -, von gebrochenem Lebensgefühl und rasendem Alltag, dazu
hat die Musik kaum Konkretes mitzuteilen. Sie bietet Stimmungsfolie, Illustration.
Großer Beifall. WOLFGANG SCHREIBER
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Die
Rheinpfalz (Lokalausgabe Frankenthal), 30. Oktober 2002 Musikalische
Reise durch die Kinowelt Solche Konzertabende wünscht
man sich noch öfter. Das war der einhellige Tenor der Besucher, die den Großen
Saal des Frankenthaler Congress-Forums fast bis zum letzten Platz füllten.
Das Eröffnungskonzert der Saison 2002/2003 durch die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
- völlig anders als gewohnt - stand unter dem Motto "Die Romantik in
der Filmmusik". Es fand eine überwältigende Resonanz, hervorgerufen
durch die Brillanz eines entfesselt aufspielenden Orchesters und seiner solistischen
Glanzlichter. Dabei wurde dieses treff liehst animiert durch zwei Könner
ihres Fachs: dem als Film-Dirigent international bekannten Frank Strobel und dem
auch als Moderator gefragten Schauspieler Manfred Callsen. In seiner Rückbesinnung
auf die Romantik und die Aufgaben der Filmmusik von der Stummfilm-Zeit bis heute
wusste Manfred Callsen Interessantes in guter, launiger Wortwahl zu erzählen.
Zu dem, was man schon kannte, fügte er wissenswertes Neues hinzu. Frank Strobel
scheint ein ausgesprochener musikalischer Tausendsassa zu sein, ein Musiker mit
aufgeladenem Expressivo, der souverän über der Partitur steht und das
musikalische Geschehen mit scharfem Verstand kontrolliert. Es fiel schwer, seinem
dirigentischen Temperament zu widerstehen, so glühend, vital, entfesselt
musizierte er die einzelnen Film-Musiken. Unglaublich, mit welcher Sensibilität
er das "Adagietto" aus der 5. Sinfonie von Gustav Mahler, verwendet
im Film "Tod in Venedig", aufblühen ließ. Gleiches gelang
ihm mit Max Steiners von großen Aufschwüngen durchzogener Musik zu
dem USA-Film "Gone With The Wind" und Henry Mancinis besinnlicher Weise
zu "Breakfast at Tiffany's". Ergreifend, in ästhetischer Schönheit
und im Schlussbild fast überirdisch verklärt, erstand dieser innige
Gesang mit seiner Schwermut, Trauer, Resignation, seiner Sehnsucht nach Erlösung,
stellenweise fast bis zur Sprachlosigkeit zurückgenommen. An diesem Abend
wuchs die Staatsphilharmonie weit über sich hinaus und badete förmlich
in den grol3em Klangwirkungen einer natürlich-unverkrampften Gestaltungsweise
der packend pointierten Spielkunst, die, rhythmisch auf Hochglanz poliert, auch
tonlich eine enorme Wärme, Farbigkeit und Sinnlichkeit demonstrierte. Nach
Alfred Newmans "Twentieth Century Fox Fanfare" waren die Filmmusiken
zu "Dr. Schiwago" (Maurice Jarre), "Metropolis" (Gottfried
Huppertz), "Die Abenteuer des Robin Hood" (Erich Wolfgang Korngold),
"Titanic" (James Homer), zu einem "Harry Potter"-Film und
"Star Wars" (John Williams), ferner die "Marlene Dietrich-Suite"
von Friedrich Hollaender und "Themes from 007 - James Bond" zu hören.
Dabei war die ganze Bandbreite der orchestralen Ausdruckmöglichkeiten von
der klassischen Proportion bis zum blendend realisierten Hollywood-Sound zu hören,
die an elektrisierendem Schwung, an auftrumpfender Bravour und phyischer Attacke
keinen Wunsch offen ließ. Die Musiker leisteten Vorbildliches an Einsatz,
Disziplin und Klangkultur. In maßstäblicher Akribie hoben sie, homogen
in allen Klanggruppen, die Filmmusik auf den hohen Thron wertvollster Unterhaltungmusik. (mes)
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Abendkurier
Neubrandenburg, 17. Juli 2002 Robin Hood und Darth Vader an
Bord der Titanic Star Wars-Superschurke Darth Vader zusammen
mit Robin Hood aus dem Sherwood Forrest an Bord der Titanic und dazu schwimmt
Steven Spielbergs weißer Hai vorbei? Nee, das gibt es nicht! Doch, bei
den diesjährigen Festspielen Mecklenburg-Vorpommern schon: Das rauschende
Fest der symphonischen Filmmusik unter dem Motto "Von Star Wars bis Titanic"
in einem ehemaligen Kuhstall von Gützkow am vergangenen Wochenende mit der
exzellent aufspielenden Europäischen FilmPhilharmonie/Norddeutsche Philharmonie
Rostock unter der Leitung von Frank Strobel machte es möglich. Die nahezu
1000 begeisterten Besucher erlebten in dem alten und für den neuen Verwendungszweck
kurzfristig umgebauten Gemäuer der bedeutenden barocken Schloss- und Hofanlage
bei Altentreptow zahlreiche berühmte Filmmelodien. So waren u.a. die bekannte
Casablanca-Suite von Max Steiner und das Titelstück von James Homer aus dem
Streifen "Titanic" zu hören. Der zweite Teil des Konzerts war dem
Hollywood-Star-Komponisten John Williams und vorwiegend seinen Werken für
das Science-Fiction-Epos "Star Wars" gewidmet. Dass die zahlreichen
Gäste aus Nah und Fern vom Können des Klangkörpers aus der Ostseestadt
beeindruckt waren, bewies der lang anhaltende Applaus, dem zwei vorgesehene und
auch noch eine nicht geplante Zugabe folgten. Die Veranstaltung, die von einem
nostalgischen Bauernmarkt vorher begleitet worden war, klang nach dem Konzert
mit einem Feuerwerk festlich aus. (AK/bh)
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Die
Welt, 19./20.Mai 2001 Faust, was weinst du? Eigentlich
hatte sich die UFA ihren Stummfilm-"Faust" von 1926 ganz anders vorgestellt.
Regie sollte der Märchenfilmer Ludwig Berger führen und nicht Fritz
Murnau. Und keinesfalls sollte eine Unbekannte wie Camilla Horn das Gretchen darstellen.
Dann dichtete Gerhart Hauptmann auch noch Zwischentexte in Knittelversen, die
der Drehbuchautor Hans Kyser unter lautem Protest wieder streichen ließ.
Der Film wurde trotzdem fertig und zählt neben "Nosferatu" und
"Der letzte Mann" zu Murnaus umstrittenen Meisterwerken. Zur Uraufführung
des "Faust" im Jahre 1926 schrieb der Chanson- und Operettenkomponist
Richard Werner Heymann die Musik. In der Musikhalle erklang mit den exzellent
agierenden Hamburger Symphonikern unter Frank Strobel nun eine Neu-Vertonung von
Bernd Schultheis. Murnaus filmische Bilder haben etwas Rembrandtsches. Schwarze
Schatten, im Falle Mephistos sogar gedoppelt, entfalten ihre Eigendynamik. Gleißendes
Licht indessen erhellt das Wesentliche jeder Szene. Schultheis folgt dieser Polarisierung
von Gegensätzen nur scheinbar. Er will die Zwischenräume füllen,
die Murnau ihm freihält. In den Eingangsszenen gelingt ihm das mit viel Witz.
Ein stockendes Piccolo-Solo illustriert Emil Jannings komödiantischen Mephisto-Auftritt,
während sich Fausts Schwindel beim Pakt in kreisenden Spiralen spiegelt.
Dann wird die Musik seichter. Ein süffiger Walzer im Stile Schostakowitschs
begleitet die Kupplerin-Szene. Wenn aus dem Spaß Ernst wird, wenn Gretchens
Kind im Schnee erfriert und sie selbst den Feuertod sterben muss, nimmt das Bild
die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Schultheis lässt den Klangteppich einbrechen
und die Pauke schlagen. Aber die Bilder, diese Bilder vergisst man nie. HP
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Frankfurter
Allgemeine Zeitung (FAZ), Freitag, 12. November 1999 Walpurgisnacht
der Töne
Europäische Erstaufführung
in Rostock: Murnaus Faust-Film mit Musik von Bernd Schultheis Der
Spiegel als Symbol ist Diener zweier Herren. Als Attribut von Prudentia (Klugheit)
und Veritas (Wahrheit) steht er für Selbsterkenntnis und Bewusstsein. Andererseits
ist er als Sinnbild der Eitelkeit den Sirenen zugeordnet, den Sängerinnen
der teuflischen Versuchung zur Wollust. Friedrich Wilhelm Murnau bediente sich
der Spiegelung als Hauptmotiv beim Handlungsaufbau seiner Faust-Verfilmung von
1926. Die Spannungen zwischen Gut und Böse, Alter und Jugend, Weisheit, Liebe
und Genusssucht, auch zwischen Dienen und Herrschen wirken sich im Stoff aus und
werden von Murnau expressionistisch verbildlicht. In manchen Szenen kippen diese
gegensätzlichen Kategorien vexierbildartig ineinander, oft mit geistvollem
Humor - als Spiegel für das Drama menschlicher Existenz mit ihrer labyrinthischen
Suche nach Wahrheit. Murnau griff für seinen Stummfilm auf mehrere Quellen
zurück, darunter die volkstümliche "Historia von Doktor Johann
Fausten", wie sie 1587 vom Buchdrucker Spies in Frankfurt am Main erstmalig
vorgelegt wurde, und Goethes Gretchen-Tragödie. Ein
Streit zwischen den Mächten des Guten und des Bösen um die absolute
Herrschaft über die Menschheit führt hier in die Handlung ein. Der Erzengel
Gabriel schließt mit dem gestürzten Engel Luzifer eine Wette ab: Die
Welt sei dem Bösen untertan, gelänge es Mephisto, in Fausts Seele das
Göttliche zu vernichten. Zunächst bringt der Böse die Pest über
die Stadt und nähert sich dem allen Gelehrten, als dieser machtlos angesichts
des Elends wütet. Faust eikennt sein Scheitern in der Spiegelung der verschütteten
Flüssigkeit, mit der er sich vergiften wollte. Gleich darauf spiegelt ihm
Mephisto ein Leben der Lust vor. Er fängt den alten Faust im eigenen Spiegel
ein und bewahrt ihn dort, solange dieser sich dem Rausch der ewigen Jugend hingibt.
Gespiegelt wird auch Fausts Verjüngung durch die parallele Verjüngung
Mephistos. Zu einer zentralen Szene wird Fausts Liebeswerben um Gretchen, parallel
zu einer komisch-grotesken Liebeständelei zwischen Marthe und Mephisto. Dieser
Moment markiert den Anfang von Gretchens Leidensweg. Die Kraft der Liebe ist es
schließlich, die Mephistos Macht zerstört: Faust verflucht das Geschenk
der ewigen Jugend und stürzt zu Gretchen durch die Flammen ihres Scheiterhaufens.
Sie erkennt im Greis den Geliebten. Murnau schuf plastische
Bilder von suggestiver Kraft. Starke Kontraste zwischen Licht und Dunkelheit wie
auch feinste Schattierungen erinnern an Rembrandts Chiaroscuro-Technik: fraglos
ein Meisterwerk, das danach verlangt, von einer eigens dazu konzipierten Musik
unterstützt zu werden. Schon für die Berliner Uraufführung 1926
sollte Giuseppe Becce eine Musik dazu schreiben, aber er wurde zu spät damit
beauftragt. Erst 1999 wurde dieser Gedanke durch die vortreffliche Orchestermusik
des Berliner Komponisten Bernd Schultheis realisiert. Filmische Grundlage dazu
war die Originalfassung Murnaus, die von Luciano Berriatua 1996 im Rahmen der
Filmoteca Espanola rekonstruiert worden ist. Der junge Komponist, versiert im
Umgang mit dem Medium und international bekannt für seine Filmmusiken, zeigt
sich hier als Meister des Genres. Es gelingt ihm, Bild und Klang zu konfrontieren
und die Ideen des Regisseurs so mitzugestalten, dass am Ende ein überzeugendes
Gesamtkunstwerk entsteht. Er baut seine Musik nach
durchdachtem System auf. Dennoch wirkt sie sinnlich, lebendig, spontan - mal witzig
und verspielt den feinen Humor unterstreichend, mal lyrisch oder hoch dramatisch.
Diese Musik verdoppelt nicht das Bild, sondern formuliert Zwischenräume aus;
sie verziert nicht die Bilderweit, sondern empfindet "Zeitlichkeit, auf einer
anderen Ebene, als sie der Film erzählt" - so Schultheis über seine
Musik. Ein System ahnt man beim Hören nur als Hintergrund der organischen,
stilistisch zusammenhängenden Qualität seiner Musik. Verbindungen zum
Film sind darin eingefangen. beispielsweise die Idee der Spiegelung, die kompositionstechnisch
aufgegriffen wurde. Das klangliche Material basiert auf der Obertonreihe und jedem
der drei Protagonisten gehört ein eigenes Klangspektrum. Von harmonischem
Gebilde bis hin zü schriller Dissonanz bewegt sich der Komponist virtuos
im Rahmen eines großen Orchesterapparats, dessen Farben er sehr differenziert
und wirkungsvoll einsetzt. Schließlich füllt er vielgestaltig die Spanne
zwischen gröl3ter Klangintensität und der Stille als Ausdrucksmittel:
Das Orchester schweigt, während Faust mit seinem Blut MephistosVertrag unterschreibt,
oder auch, als Gretchen an den Pranger gestellt wird. Dagegen wird man von einem
dämonischen Trommelcrescendo überwältigt, als das Feuer von Gretchens
Scheiterhaufen rasch emporgreift. Diese Fassung des
rekonstruierten Stummfilms mit der Neukomposition für Orchester von Bernd
Schultheis wurde in Manila und Sao Paulo am gleichen Tag im Oktober 1999 uraufgeführt.
Die europäische Erstaufführung fand jetzt als ein Projekt zum Goethe-Jahr
1999 im Rostocker Volkstheater statt. Der Norddeutschen Philharmonie Rostock gelang
ein souveränes, feinfühliges Spiel unter der Leitung des Berliner Dirigenten
Frank Strobel, der unter anderem Originalmusiken und Neukompositionen zu dreißig
Stummfilmklassikern aufgeführt hat. Ein guter Einfall war die spektakuläre
Aufstellung der Blechbläser, in zwei Reihen in Bühnenhöhe die Leinwand
flankierend. ANA POPESCU
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