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Leni´s "Dornröschen" Deutschland 1917 | | 
Info
Komponist Filmographie Essay
Paul Leni Kleiner, grosser, heimlicher Herrscher Startseite Kontakt |
Aufführung
mit der Musik für Streichquartett, Klarinette & Trompete von
Jerzy
Sokorski, Polen 1988
Musikalische Leitung: Natalie
Schwarzer Hörproben
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Darmstädter
Echo vom 11.01.2001 Stummfilm
mit Livemusik
"Dornröschen" (1917) in der Centralstation
(DE)
Die Centralstation im Car-ree zeigt am Samstag (13.) um 18 Uhr Paul Lenis Stummfilm
"Dornröschen"
aus dem Jahr 1917. Mitglieder der Jungen Frankfurter Symphoniker unter der Leitung
von Natalie
Schwarzer spielen dazu die von Jerzy
Sokorski (Postow/Warschau) im Jahr 1988 komponierte Begleitmusik für
Streicher, Klarinette und Trompete. Der 50 Minuten lange Märchenfilm "Dornröschen"
war der aufwändigste Streifen, den die kleine Berliner Firma Projektions
AG Union bisher produziert hat. Paul Leni war für Ausstattung, Kostüme
und Regie verantwortlich. Er ging später nach Hollywood, wo er kurz vor seinem
Tod noch an einem klassischen Horrorfilm-Projekt mitwirkte. Nach Einschätzung
der Pressestelle der Centralstation ist "Dornröschen" ein für
Kinder wie Cineasten reizvolles Filmerlebnis, das durch die live eingespielte
Filmmusik noch an Faszination gewinnt. Sie ist modern und doch sensibel auf die
alten Bilder des Jahres 1917 zugeschnitten.
SIE BRINGEN DEM STUMMFILM TÖNE BEI: Die Jungen Frankfurter Sinfoniker begleiten
den Märchenfilm "Dornröschen" aus dem Jahr 1917 musikalisch.
Er wird am Samstag (13.) um 18 Uhr in der Centralstation gezeigt. Zum Bericht. (Foto:
Centralstation)
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Darmstädter
Kulturnachrichten Ausgabe 01/2001 Centralstation
klassisch:
Kostbare Raritäten
Dick
im Kalender anstreichen sollten sich die Darmstädter Cineasten den 13. Januar,
steht ihnen doch ein Ereignis ins Haus, das Filmgeschichte geschrieben hat und
- wie es aussieht - weiter schreiben wird. Paul
Leni, begabter Bühnenbildner, Regisseur und Filmausstatter in den
Anfangszeiten des Films, produzierte 1917 zusammen mit der kleinen Berliner Projektions
AG den Film "Dornröschen".
Der Stummfilm zeichnete sich vor allen anderen Stummfilmen jener Zeit - die sich
in ihren Bildern noch keineswegs von der zweidimensionalen und statischen "Regie"
der Gemälde emanzipiert hatten - durch eine äußerst sorgfältige,
aufwändige Ausstattung sowohl der Interieurs als auch der Kostüme aus.
"Dornröschen" war damit in Deutschland und vermutlich weltweit
der erste Film, der die Möglichkeiten des neuen Mediums konsequent einsetzte.
Die Original-Filmmusik ist leider verloren. Deshalb beauftragte das Hessische
Staatstheater Wiesbaden den Polen Jerzy
Sokorski mit der Komposition einer neuen Filmmusik. Sie ist kompromißlos
modern, aber voller Poesie und sensibel auf die alten Bilder zugeschnitten. Gespielt
wird sie von Mitgliedern der Jungen Frankfurter Symphoniker unter der Leitung
von Natalie
Schwarzer. Paul Leni selbst ging nach Hollywood, wo er bis zu
seinem frühen Tod - er starb 1929, 44 Jahre alt - tätig war. Sein letztes
Projekt war "Dracula", der erste Gruselfilm der Tonfilm-Ära. Er
starb, bevor der Film fertiggestellt werden konnte. Realisiert wurde der Film
schließlich von Tod Browning. Er kam 1930 in die Kinos und hat, wie "Dornröschen"
Filmgeschichte geschrieben.
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Wetzlarer
Neue Zeitung vom 16.05.2000 Dornröschen"
im Wetzlarer "Franzis"
Untermalende Musik steigerte die
Faszination des Stummfilms
Wetzlar (ro). Laute
Fanfarenstöße ertönten beim Eintritt des Königs, romantische
Melodien untermalten seine ersten Treffen mit der Königin, und waidmännische
Klänge riefen zur Jagd - wer erwartet hatte, die Vorführung eines Stummfilms
verlaufe ohne Geräusche, der wurde im "Franzis" eines Besseren
belehrt. Sechs Musiker des hessischen Jugendsinfonie-Orchesters waren zu Gast,
um unter der Leitung von Natalie
Schwarzer den 1917 uraufgeführten Märchenfilm "Dornröschen"
musikalisch zu untermalen und dramaturgisch zu unterstützen. Mit zwei
Violinen (Florian Trappe, Christoph König), Viola (Gundula Baun), Cello (Johanna
Zur), Klarinette (Balthasar Hens) und Trompete (Frank Buchner) intonierten sie
sehr einfühlsam die einzelnen filmischen Passagen. Dies war keine leichte
Aufgabe für die versierten Musiker, denn nur die Dirigentin hatte einen freien
Blick auf die große Leinwand. Der 45-minütige Film von Regisseur Paul
Leni mit Mabel Kaul als Dornröschen in der Hauptrolle faszinierte
die Besucher durch seine naiven Märchenszenerien ebenso wie durch die aufwändigen,
nach spätgotischen Vorbildern gefertigten Innendekorationen und die in ihren
Einzelheiten liebevoll ausgestaltete Garderobe der Darsteller. Damit hat Leni
auch beim heutigen Publikum sein Ziel erreicht. Der Regisseur sah in der Ausstattung
des Raumes und der handelnden Personen die zentralste Aussage des Mediums Film.
Doch nicht nur die Ausstattung war imposant: Paul Leni arbeitete in dem aufwändigen
Film mit einem großen Ensemble, das den Hofstaat darstellte. Im Vorprogramm
zeigten die Veranstalter zwei Kurzfilme aus den 30er Jahren. "In der Nacht"
trug den aussagekräftigen Untertitel "a musical film fantasy" und
verband Klavierspiel und das Element Wasser. Trickfilm-Elemente, Schattenspiele
und Phantasien mischten sich in "Die Nacht auf dem kahlen Berg".
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Frankfurter
Rundschau vom 25.05.1999 Wenn
der Frosch durchs Bild hüpft
Hessische Nachwuchsmusiker
begleiten "Dornröschen"-Film im Hamburger Metropolis
Von
Hans-Georg Moek
Natalie
Schwarzer hebt den Taktstock und schaut in die Ecke, in der ein
Fernseher auf zwei grüngepolsterten Holzstühlen ruht, die wieder auf
einem Tisch stehen. Der Bildschirm flackert und läßt ständig das
obere Drittel des Bildes nach links kippen. In dem kleinen Raum setzen vier Streicher
den Bogen an, während Trompete und Klarinette weiter auf ihren Einsatz warten. "Das
ist nur ein schlechtes Proben-Video und hat nichts zu tun mit der Wirkung des
Filmes auf der Großleinwand", flüstert Ralf Hauptmann. Er gehört
zur Kulturkooperative Die
Cavallerotti, die sich unter anderem die Förderung vernachlässigter
hochwertiger Filmmusiken auf die Fahnen geschrieben hat. Er organisierte die Proben
und den Übungsraum im Frankfurter Haus der Jugend und brachte die Dirigentin
mit den Musikern des hessischen Jugendsinfonieorchesters zusammen. Heute Samstag,
zwei Tage nach der Generalprobe, ist Aufführung im Kino Metropolis in Hamburg.
Die laut Hauptmann "hochbegabten" Nachwuchsmusiker aus der hessischen
Jugendauswahl - Cellistin Johanna Zur und Klarinettist Balthasar Hens waren Sieger
beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" - untermalen musikalisch den
Stummfilm "Dornröschen" von Paul
Leni aus dem Jahre 1917. "Die Filmmusik ist Ergebnis eines Eilauftrages
vom Wiesbadener Staatstheateraus dem Jahre 1988", sagt Hauptmann. "Als
der Film damals in das Stummfilmfestival aufgenommen werden sollte, wurde der
polnische Komponist Jerzy
Sokorski damit beauftragt, eine Filmmusik zu komponieren. Und dafür
hat er zwei Wochen Zeit gehabt." Zwei Wochen für eine Musik, die obwohl
fast durchgängig disharmonisch, doch geradezu poetisch melodiös drei
oder vier ständig wiederkehrende Motive fugenartig in den verschiedenen Instrumenten
wiederholt, variiert, umkehrt. Und die, obwohl modern, doch sensibel auf die alten
Bilder zugeschnitten ist. Als auf dem Bildschirm eine Fee durch das Bild schwebt,
setzen die Streicher ein. Natalie Schwarzer hat das in ihrer Partitur vermerkt.
An Notizen wie "Frosch hüpft durch's Bild" oder "Fee tritt
auf" erkennt sie, an welcher Szene im Film sie sich befindet. Um die zweihundertmal
hat sie das in ihrem Wohnzimmer trocken geübt, still vor sich hindirigierend
vor einem lautlosen Fernseher. Heute abend wird's ernst in der Hansestadt. Aber
Sorgen braucht sie sich da wohl kaum zu machen. Die sechs sind wirklich gut in
Form.
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Wiesbadener
Tagblatt vom 23.09.1998 Caligari: Stummfilm
mit Musik gw. Erst schweben tanzende Linien
und graphische Gebilde als "Studie 7", "Komposition in Blau"
oder "optisches Poem" von Oskar Fischinger über die Leinwand. Dann
heißt es "so ward sie Braut" und die Großmutter mit Häubchen
erzählt den Enkelkindern die Mär vom Dornröschen. Gar zierlich
schreiten Hofdamen und Königin. "Ein kluges Fröschlein durfte sie
erschauen", verkündet die nächste Texttafel. Kurz darauf wandelt
das holde Prinzeßlein Dornröschen als einzige Filmfigur immerfort barfüßig
umher. Ansonsten wurde an der Ausstattung schon 1917 nicht gespart. Herolde reiten
mit unüberhörbarem "Hufgetrappel" aus und trompeten die gute
Nachricht dem Volke in die Ohren. Hübsche Idee des kürzlich gegründeten
kulturellen Netzwerkes "Die
Cavallerotti", gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Filmkunde
Paul Leni's Stummfilm-Klassiker "Dornröschen"
mit seinen heute unfreiwillig komisch wirkenden, hochdramatischen Szenen und Klischees
in der FilmBühne Caligari zu präsentieren. Als Auftragswerk für
die Internationalen Maifestspiele 1988 hatte der auf der Krim gebürtige Komponist
Jerzeij
Sokorski eine gefeierte, den Märchenfilm lyrisch und zart ironisch
akzentuierende Begleitmusik für Streicher, Klarinette und Trompete geschrieben
(wir berichteten). Moderator Stephan Volkheimer konnte mit sonorer Stimme den
polnischen Komponisten Jerzeij Sokorski und (als Überraschungsgast) seine
an der Gelsenkirchener Oper engagierte Tochter Jagno Sokorski-Kwika begrüßen. Nach
der Filmvorführung wurde der Komponist zum pianistischen Begleiter von Nachwuchs-Mezzosopranistin
Sandra Reichard und der mit farbenreichem Sopran für sich einnehmenden Jagno
Sokorski-Kwika. Wie seine polyphon durchwirkte Musik zum Märchenfilm, bestechen
auch die vertonten Poeme von Kazimera Illakowicz und Boleslaw Lesmian durch romantische
Facetten in ihrer Melodik. Im Gespräch mit dem gewitzten Zeitzeugen Sokorski,
der die deutsche Sprache hervorragend beherrscht, lobt der vitale 82jährige
die einfühlsame Präzision der Dirigentin Natalie Schwarzer und das homogen
agierende Ensemble des Landesjugend-Symphonieorchesters Hessen. Daß der
Pianist gerade Werke von Joseph Conrad vertont, deutet die Tochter nebenbei an.
Im März des nächsten Jahres soll es ein Wiederhören in Wiesbaden
geben, versprechen Vater und Tochter beim Abschied.
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Wiesbadener
Kurier vom 23.09.98 Küßchen
- nicht nur für Dornröschen
FilmBühne Caligari: Stummfilm
mit Live-Musik Die Wiesbadener Premiere des stummen
Dornröschens mit Orchesterbegleitung fand während der Maifestspiele
1988 statt. Da die Originalmusik des vom Maler und Filmarchitekten Paul
Leni bereits 1917 inszenierten Märchenstoffes verlorengegangen war,
beauftragte das Hessische Staatstheater den in Piastow/ Warschau lebenden Jerzy
Sokorski mit einer neuen musikalischen Illustration des tonlosen Kostümschinkens. Aus
den Archiven der Wilhelm-Murnau-Stiftung wurde Lenis Stummfilmrarität jetzt
wieder ausgegraben und vom Deutschen Institut für Filmkunde in Zusammenarbeit
mit der Kulturkooperative "Die
Cavallerotti" in der FilmBühne Caligari präsentiert als
Auftakt zu mehreren Stummfilmprojekten, bei denen die gewohnte Klavierbegleitung
von anderen Instrumenten und Ensembles ersetzt wird. Oskar Fischingers abstrakte
"Studien & Optical Poems" aus den Zwanzigern und Dreißigern
boten die adäquate Einstimmung auf eine reizvolle Mischung: 80 Jahre alter
Film trifft zehn Jahre alte ausdrucksstarke, poetische Musik Sokorskis. Gemeinsam
mit Tochter Jagna Sokorska-Kwika war der 1916 auf der Krim geborene Sokorski zur
deutsch-polnischen Begegnung angereist, die erneute "Dornröschen''-Aufführung
mitzuerleben und nach dem 45minütigen Streifen Sängerin Sandra Reichard
und Tochter am Flügel beim Vortrag einiger seiner Lieder zu begleiten. Von
Altersmüdigkeit keine Spur beim Auftritt des junggebliebenen Charmeurs, der
sich auf der Bühne noch immer wohl fühlt, vor allem in Gesellschaft
geballter Weiblichkeit. Dirigentin Natalie
Schwarzer, die mit sechs Mitgliedern des Landesjugend-Symphonie-Orchesters
über zwei Monate lang Sokorsids Musik einstudiert hatte, wurde dann genauso
mit Küßchen bedacht wie die Solistinnen. Noch am Morgen hatte der
vitale 82jährige ("Musiker und Komponisten müssen immer aktiv bleiben,
das ist keine Frage des Alters, sondern des Willens") kurzentschlossen verschiedene
Texte seiner neueren Kompositionen vom Original ins Deutsche übersetzt, um
Sandra Reichard das "doch sehr schwierige Polnisch zu ersparen". An
seiner eng an die optischen und dramaturgischen Vorgaben des Films angelehnten
Partitur würde er auch heute nichts ändern, obwohl er vor zehn Jahren
unter immensem Druck komponieren mußte: "Erst meine Tochter brachte
mir den auf Video überspielten Film mit nach Warschau, als ich dann endlich
einen Recorder besorgt hatte, blieben gerade noch 14 Tage bis zum Aufführungstermin". An
Ruhestand denkt Sokorski nicht: Gerade hat er in neun Heften Werke der bekanntesten
polnischen Dichter des 20. Jahrhunderts zu "Polnischer Poesie in Liedern"
verarbeitet, wenn er nicht selbst unterwegs ist, begleitet er seine Frau, die
als Sopranistin auch auf deutschen Bühnenstand, zu Gastspielen, "auch
wenn die ganz hohen Sopranstücke nicht mehr machbar sind, immer noch ein
Vergnügen". Der nächste Termin in Wiesbaden - zusammen mit Tochter
Jagna - steht auch schon: für März 1999 plant man in der Villa Clementine
eine Sokorski-Soiree mit Kammermusik und einem Liederzyklus. Peter Müller
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Wiesbadener
Kurier vom 17.09.1998 Stummes
"Dornröschen" mit Musik
Filmprojekt im Caligari /
Komponist Sokorski kommt nach Wiesbaden Seit 1980
sorgt das Deutsche Institut für Filmkunde dafür, daß in Wiesbaden
das Genre Stummfilm zu seinem Recht kommt, immer wieder hat es dabei auch Aufführungen
mit Musikbegleitung gegeben. Dieses soll künftig verstärkt der Fall
sein, allein für die nächsten Monate sind sieben Termine angekündigt.
Nicht nur ein Mann am Klavier wird dann für den richtigen Ton sorgen, auch
Aufführungen mit anderem Instrumentarium und Ensembles sind vorgesehen. Den
Anfang macht am Montag, 21. September, um 19.50 Uhr die Präsentation von
Paul Lenis Märchenfilm "Dornröschen"
von 1917 mit der Musik von Jerzy
Sokorski aus dem Jahr 1988. Es spielen Mitglieder des Landesjugend-Sinfonieorchesters
unter der Leitung von Natalie
Schwarzer, die in den vergangenen zwei Monaten mit einem Ensemble
aus Streichquartett, Trompete und Klarinette das Werk einstudiert hat, das in
Wiesbaden vor genau zehn Jahren bei den Internationalen Maifestspielen als Uraufführung
zu hören war. Bei Sokorskis Arbeit handelt es sich nämlich um eine Auftragsproduktion,
die damals vom Staatstheater und dem Deutschen Institut für Filmkunde an
den polnischen Komponisten vergeben worden war. Dieser wird zur Wiederaufführung
seiner Musik am Montag in der FilmBühne Caligari anwesend sein und nach dem
knapp 50minütigen Streifen auch noch als Musiker zu hören sein: Er wird
am Flügel die Sängerin Sandra Reichard begleiten, die drei seiner Lieder
vortragen wird. Die Veranstaltung entstand aus einer Zusammenarbeit des Deutschen
Instituts für Filmkunde mit der Kulturkooperative "Die
Cavallerotti - das kulturelle Netzwerk", die vor allem im Frankfurter
Raum tätig ist. Vor zwei Jahren wurde sie gegründet, ist derzeit vom
lockeren Zusammenschluß Kulturinteressierter zu einem Verein unterwegs und
stellt nun im Caligari ihr erstes Projekt vor. Ein weiteres in Wiesbaden ist bereits
fest geplant: Am 5. November ist die Villa Clementine für eine Soiree mit
Werken von und Erläuterungen zu Felix
Mendelssohn-Bartholdy gebucht. Das "Dornschen"-Projekt will
man in ganz Deutschland zu Gesicht und zu Gehör bringen, erste Kontakte sind
bereits geknüpft, über das deutsche Institut für Filmkunde sollen
weitere folgen. GK
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Wiesbadener
Tagblatt vom 17.09.1998 Altes
Märchen mit neuer Musik
Kompositionen von Jerzy Sokorski zum
Stummfilm "Dornröschen" gw.
"Dornröschen", Paul
Leni's Stummfilm-Rarität von 1917, geht mit Live-Musikbegleitung
am 21. September um 19.50 Uhr im Caligari über die Filmbühne (wir berichteten).
Vor genau zehn Jahren hatte der 82jährige Komponist Jerzy
Sokorski aus Piastow/Polen im Auftrag der Maifestspiele des Staatstheaters
Wiesbaden den Stummfilm musikalisch zum Leben erweckt. Der auf der Krim geborene
Zeitzeuge Sokorski ist im Caligari zu Gast und stellt am Piano nach der knapp
einstündigen Vorführung mit der Sängerin Sandra Reichard einige
Eigenkompositionen vor. "Es soll auch eine deutsch-polnische Begegnung werden",
wünscht sich Rainer Hauptmann vom kulturellen Netzwerk "Die
Cavallerotti" als Veranstalter der ungewöhnlichen Co-Produktion
mit dem Deutschen Institut für Filmkunde. Dirigentin Natalie
Schwarzer sammelte Erfahrungen mit der Jenaer Philharmonie und
leitet das Kelkheimer Kammerorchester. Als außerordentlich reizvoll empfindet
die Dirigentin die "interessante Zusammenstellung der erst zehn Jahre alten,
ausdruckstark poetischen Musik mit dem 80 Jahre alten historischen Film".
Die zweimonatige Probenzeit mit sechs Mitgliedern des Landesjugend-Symphonie-Orchesters
Hessen konzentriere sich auch auf die so schwierigen, hohe Präzision verlangenden
Einsätze zu den mit Texttafeln unterlegten Spielszenen: "Der wunderschöne
Märchenstoff wird durch die Musik von Jerzy Sokorski emotional ausgemalt." Gerne
möchten "die Cavallerotti", die ihren ironischen Namen den mittelalterlichen
Stadtsoldaten der Sparte Maulhelden entlehnt haben, nach erfolgreicher Premiere
ihr Stummfilmprojekt auch in Bonn, Hamburg, Leipzig und anderen Spielorten zeigen.
Und für den 5. November ist in der Villa Clementine eine Matinee als Hommage
an Mendelssohn-Bartholdy
geplant.
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ÜBER
'DIE CAVALLEROTTI': Wiesbadener Tagblatt vom 14.08.1999 Kreative
Ideen mit einer inhaltlichen Substanz
Kooperative "Die
Cavallerotti" will in Wiesbaden ein kulturelles Netzwerk zur Förderung
des Nachwuchses aufbauen dh. Die Idee zur
Wiesbadener Kulturkooperative "Die Cavallerotti" wurde im Oktober 1996
geboren. Seither bemüht sich der Zusammenschluss von Künstlern, Musikern,
Filmschaffenden und Dozenten darum, ein kulturelles Netzwerk zu knüpfen,
das Projekte und Initiativen mit Nachwuchstalenten unterschiedlicher Ausprägung
ermöglicht. Angesprochen sind Künstler mit hoher Qualifikation, die
jedoch aufgrund des "überfüllten Marktes" im konventionellen
Rahmen bisher kaum Betätigungsfelder finden konnten. Gemeinsam soll innerhalb
der Kooperative nach Formen gesucht werden, um eigenständige Projekte zu
realisieren und somit den künstlerischen Dialog weiterzuentwickeln. Durch
den Kooperativansatz könne auch mit wenig Geld aber viel Engagement erhebliches
geleistet werden, so ist sich Rainer Hauptmann, Initiator und Leiter der "Cavallerotti"
sicher. Die bisher geleistete Arbeit gibt ihm dabei recht. In Zusammenarbeit
mit dem Deutschen Institut für Filmkunde wurde im September 1997 der Paul-Leni-Film
"Dornröschen"
aus dem Jahre 1917, musikalisch begleitet von einer Komposition für Salonorchester
des polnischen Komponisten Jerzy
Sokorski, aufgeführt. Unter Leitung der Frankfurter Dirigentin Natalie
Schwarzer spielten damals Mitglieder des Landesjugendorchesters Hessen.
Mit diesem Programm gastierten die Musiker mittlerweile auch in Hamburg, weitere
Gastspiele in Deutschland sind in Planung. "Diese Musik wurde ermordet",
hieß eine Kombination aus Lesung und Musikvortrag "mit der vor allem
die antisemitischen Anfeindungen, denen sich der jüdisch-stämmige Komponist
Felix
Mendelssohn Bartholdy ausgesetzt sah, näher beleuchtet wurden. Die
Korrespondenz zwischen Vortrag und Musik, die Auseinandersetzung und nicht bloße
Interpretation von Musik war ausschlaggebend bei den Veranstaltungen. Gerade ist
die Produktion einer Dokumentations-CD abgeschlossen, die den Vortrag und den
kompletten Liederzyklus
op. 65 sowie das ursprüngliche Konzertprogramm beinhaltet. Die Doppel-CD
soll nahezu zum Selbstkostenpreis vor allem an Bildungseinrichtungen abgegeben
werden, um eine intensivere Beschäftigung mit dem Themenkomplex zu ermöglichen. Rainer
Hauptmanns Konzept bei allen Aktivitäten folgt einer eigentlich schlichten
Formel: "Wir wollen Themen aufgreifen, die uns faszinieren." Heraus
kommt wohl keine populäre Unterhaltung, denn "das können andere
besser". Wohl aber entstehen im Verbund mit der Kulturkooperative kreative
Ideen mit inhaltlicher Substanz. Die künstlerische Eigenständigkeit
bleibt stets gewahrt, da die bewussten Altemativ-Modelle weniger dem ökonomischen
Zwang als der konsequenten Realisierung der gesetzten kulturellen Ziele folgen.
Dabei müssen die "Cavallerotti" auch nicht unbedingt im Vordergrund
stehen. Oftmals reicht es, Kontakte herzustellen oder Denkanstöße zu
geben. So entwickelt sich zur Zeit ein immer weiter gespanntes Netz von Personen,
Ideen und Projektvorstellungen. Hauptmann selbst zieht seine Motivation, oft auch
langwierige Verhandlungen und organisatorische Vorhaben durchzustehen, aus einer
ehrlichen Begeisterung. Lange Zeit arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen
auf und an der Bühne, bis er schließlich in einer freien Filmproduktion
während eines Orchesterworkshops auf die Idee der Kooperative kam. Mittlerweile
haben ihm seine Aktivitäten die Gelegenheit geschaffen, an einem Kulturmanagementstudium
in München teilzunehmen, aber auch dort werden weiterhin die Fäden gesponnen. Übrigens:
"Cavallerotti" ist die Bezeichnung der als unzuverlässig, wankelmütig
und kleinbürgerlich geltenden Parteigänger und Schwertleute im Italien
des Trecento. Es handelte sich dabei um die unterste Oberschicht, die bei politischen
Entscheidungen zumeist durch ihre Korrumpierbarkeit und Tücke auffiel und
ihr Mäntelchen in den jeweils wehenden Wind hing. Eine Anspielung, die bewusst
mit einem augenzwinkernden Seitenhieb auf das Gerangel in der freien Kulturszene
gewählt wurde, verrät Hauptmann.
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