Paul Leni´s "Dornröschen"
Deutschland 1917
 

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Aufführung mit der Musik für
Streichquartett, Klarinette & Trompete
von Jerzy Sokorski, Polen 1988


Musikalische Leitung: Natalie Schwarzer


Hörproben

 

Darmstädter Echo vom 11.01.2001

Stummfilm mit Livemusik

"Dornröschen" (1917) in der Centralstation

(DE) Die Centralstation im Car-ree zeigt am Samstag (13.) um 18 Uhr Paul Lenis Stummfilm "Dornröschen" aus dem Jahr 1917. Mitglieder der Jungen Frankfurter Symphoniker unter der Leitung von Natalie Schwarzer spielen dazu die von Jerzy Sokorski (Postow/Warschau) im Jahr 1988 komponierte Begleitmusik für Streicher, Klarinette und Trompete.
Der 50 Minuten lange Märchenfilm "Dornröschen" war der aufwändigste Streifen, den die kleine Berliner Firma Projektions AG Union bisher produziert hat. Paul Leni war für Ausstattung, Kostüme und Regie verantwortlich. Er ging später nach Hollywood, wo er kurz vor seinem Tod noch an einem klassischen Horrorfilm-Projekt mitwirkte.
Nach Einschätzung der Pressestelle der Centralstation ist "Dornröschen" ein für Kinder wie Cineasten reizvolles Filmerlebnis, das durch die live eingespielte Filmmusik noch an Faszination gewinnt. Sie ist modern und doch sensibel auf die alten Bilder des Jahres 1917 zugeschnitten.

SIE BRINGEN DEM STUMMFILM TÖNE BEI: Die Jungen Frankfurter Sinfoniker begleiten den Märchenfilm "Dornröschen" aus dem Jahr 1917 musikalisch. Er wird am Samstag (13.) um 18 Uhr in der Centralstation gezeigt. Zum Bericht.
(Foto: Centralstation)











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Darmstädter Kulturnachrichten Ausgabe 01/2001

Centralstation klassisch:

Kostbare Raritäten

Dick im Kalender anstreichen sollten sich die Darmstädter Cineasten den 13. Januar, steht ihnen doch ein Ereignis ins Haus, das Filmgeschichte geschrieben hat und - wie es aussieht - weiter schreiben wird. Paul Leni, begabter Bühnenbildner, Regisseur und Filmausstatter in den Anfangszeiten des Films, produzierte 1917 zusammen mit der kleinen Berliner Projektions AG den Film "Dornröschen". Der Stummfilm zeichnete sich vor allen anderen Stummfilmen jener Zeit - die sich in ihren Bildern noch keineswegs von der zweidimensionalen und statischen "Regie" der Gemälde emanzipiert hatten - durch eine äußerst sorgfältige, aufwändige Ausstattung sowohl der Interieurs als auch der Kostüme aus. "Dornröschen" war damit in Deutschland und vermutlich weltweit der erste Film, der die Möglichkeiten des neuen Mediums konsequent einsetzte. Die Original-Filmmusik ist leider verloren. Deshalb beauftragte das Hessische Staatstheater Wiesbaden den Polen Jerzy Sokorski mit der Komposition einer neuen Filmmusik. Sie ist kompromißlos modern, aber voller Poesie und sensibel auf die alten Bilder zugeschnitten. Gespielt wird sie von Mitgliedern der Jungen Frankfurter Symphoniker unter der Leitung von Natalie Schwarzer.
Paul Leni selbst ging nach Hollywood, wo er bis zu seinem frühen Tod - er starb 1929, 44 Jahre alt - tätig war. Sein letztes Projekt war "Dracula", der erste Gruselfilm der Tonfilm-Ära. Er starb, bevor der Film fertiggestellt werden konnte. Realisiert wurde der Film schließlich von Tod Browning. Er kam 1930 in die Kinos und hat, wie "Dornröschen" Filmgeschichte geschrieben.

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Wetzlarer Neue Zeitung vom 16.05.2000

Dornröschen" im Wetzlarer "Franzis"

Untermalende Musik steigerte die Faszination des Stummfilms

Wetzlar (ro). Laute Fanfarenstöße ertönten beim Eintritt des Königs, romantische Melodien untermalten seine ersten Treffen mit der Königin, und waidmännische Klänge riefen zur Jagd - wer erwartet hatte, die Vorführung eines Stummfilms verlaufe ohne Geräusche, der wurde im "Franzis" eines Besseren belehrt.
Sechs Musiker des hessischen Jugendsinfonie-Orchesters waren zu Gast, um unter der Leitung von Natalie Schwarzer den 1917 uraufgeführten Märchenfilm "Dornröschen" musikalisch zu untermalen und dramaturgisch zu unterstützen.
Mit zwei Violinen (Florian Trappe, Christoph König), Viola (Gundula Baun), Cello (Johanna Zur), Klarinette (Balthasar Hens) und Trompete (Frank Buchner) intonierten sie sehr einfühlsam die einzelnen filmischen Passagen.
Dies war keine leichte Aufgabe für die versierten Musiker, denn nur die Dirigentin hatte einen freien Blick auf die große Leinwand. Der 45-minütige Film von Regisseur Paul Leni mit Mabel Kaul als Dornröschen in der Hauptrolle faszinierte die Besucher durch seine naiven Märchenszenerien ebenso wie durch die aufwändigen, nach spätgotischen Vorbildern gefertigten Innendekorationen und die in ihren Einzelheiten liebevoll ausgestaltete Garderobe der Darsteller.
Damit hat Leni auch beim heutigen Publikum sein Ziel erreicht. Der Regisseur sah in der Ausstattung des Raumes und der handelnden Personen die zentralste Aussage des Mediums Film. Doch nicht nur die Ausstattung war imposant: Paul Leni arbeitete in dem aufwändigen Film mit einem großen Ensemble, das den Hofstaat darstellte.
Im Vorprogramm zeigten die Veranstalter zwei Kurzfilme aus den 30er Jahren. "In der Nacht" trug den aussagekräftigen Untertitel "a musical film fantasy" und verband Klavierspiel und das Element Wasser. Trickfilm-Elemente, Schattenspiele und Phantasien mischten sich in "Die Nacht auf dem kahlen Berg".

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Frankfurter Rundschau vom 25.05.1999

Wenn der Frosch durchs Bild hüpft

Hessische Nachwuchsmusiker begleiten "Dornröschen"-Film im Hamburger Metropolis

Von Hans-Georg Moek

Natalie Schwarzer hebt den Taktstock und schaut in die Ecke, in der ein Fernseher auf zwei grüngepolsterten Holzstühlen ruht, die wieder auf einem Tisch stehen. Der Bildschirm flackert und läßt ständig das obere Drittel des Bildes nach links kippen. In dem kleinen Raum setzen vier Streicher den Bogen an, während Trompete und Klarinette weiter auf ihren Einsatz warten.
"Das ist nur ein schlechtes Proben-Video und hat nichts zu tun mit der Wirkung des Filmes auf der Großleinwand", flüstert Ralf Hauptmann. Er gehört zur Kulturkooperative Die Cavallerotti, die sich unter anderem die Förderung vernachlässigter hochwertiger Filmmusiken auf die Fahnen geschrieben hat. Er organisierte die Proben und den Übungsraum im Frankfurter Haus der Jugend und brachte die Dirigentin mit den Musikern des hessischen Jugendsinfonieorchesters zusammen. Heute Samstag, zwei Tage nach der Generalprobe, ist Aufführung im Kino Metropolis in Hamburg. Die laut Hauptmann "hochbegabten" Nachwuchsmusiker aus der hessischen Jugendauswahl - Cellistin Johanna Zur und Klarinettist Balthasar Hens waren Sieger beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" - untermalen musikalisch den Stummfilm "Dornröschen" von Paul Leni aus dem Jahre 1917.
"Die Filmmusik ist Ergebnis eines Eilauftrages vom Wiesbadener Staatstheateraus dem Jahre 1988", sagt Hauptmann. "Als der Film damals in das Stummfilmfestival aufgenommen werden sollte, wurde der polnische Komponist Jerzy Sokorski damit beauftragt, eine Filmmusik zu komponieren. Und dafür hat er zwei Wochen Zeit gehabt." Zwei Wochen für eine Musik, die obwohl fast durchgängig disharmonisch, doch geradezu poetisch melodiös drei oder vier ständig wiederkehrende Motive fugenartig in den verschiedenen Instrumenten wiederholt, variiert, umkehrt. Und die, obwohl modern, doch sensibel auf die alten Bilder zugeschnitten ist.
Als auf dem Bildschirm eine Fee durch das Bild schwebt, setzen die Streicher ein. Natalie Schwarzer hat das in ihrer Partitur vermerkt. An Notizen wie "Frosch hüpft durch's Bild" oder "Fee tritt auf" erkennt sie, an welcher Szene im Film sie sich befindet. Um die zweihundertmal hat sie das in ihrem Wohnzimmer trocken geübt, still vor sich hindirigierend vor einem lautlosen Fernseher. Heute abend wird's ernst in der Hansestadt. Aber Sorgen braucht sie sich da wohl kaum zu machen. Die sechs sind wirklich gut in Form.

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Wiesbadener Tagblatt vom 23.09.1998

Caligari: Stummfilm mit Musik

gw. Erst schweben tanzende Linien und graphische Gebilde als "Studie 7", "Komposition in Blau" oder "optisches Poem" von Oskar Fischinger über die Leinwand. Dann heißt es "so ward sie Braut" und die Großmutter mit Häubchen erzählt den Enkelkindern die Mär vom Dornröschen. Gar zierlich schreiten Hofdamen und Königin. "Ein kluges Fröschlein durfte sie erschauen", verkündet die nächste Texttafel. Kurz darauf wandelt das holde Prinzeßlein Dornröschen als einzige Filmfigur immerfort barfüßig umher. Ansonsten wurde an der Ausstattung schon 1917 nicht gespart. Herolde reiten mit unüberhörbarem "Hufgetrappel" aus und trompeten die gute Nachricht dem Volke in die Ohren.
Hübsche Idee des kürzlich gegründeten kulturellen Netzwerkes "Die Cavallerotti", gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Filmkunde Paul Leni's Stummfilm-Klassiker "Dornröschen" mit seinen heute unfreiwillig komisch wirkenden, hochdramatischen Szenen und Klischees in der FilmBühne Caligari zu präsentieren. Als Auftragswerk für die Internationalen Maifestspiele 1988 hatte der auf der Krim gebürtige Komponist Jerzeij Sokorski eine gefeierte, den Märchenfilm lyrisch und zart ironisch akzentuierende Begleitmusik für Streicher, Klarinette und Trompete geschrieben (wir berichteten). Moderator Stephan Volkheimer konnte mit sonorer Stimme den polnischen Komponisten Jerzeij Sokorski und (als Überraschungsgast) seine an der Gelsenkirchener Oper engagierte Tochter Jagno Sokorski-Kwika begrüßen.
Nach der Filmvorführung wurde der Komponist zum pianistischen Begleiter von Nachwuchs-Mezzosopranistin Sandra Reichard und der mit farbenreichem Sopran für sich einnehmenden Jagno Sokorski-Kwika. Wie seine polyphon durchwirkte Musik zum Märchenfilm, bestechen auch die vertonten Poeme von Kazimera Illakowicz und Boleslaw Lesmian durch romantische Facetten in ihrer Melodik.
Im Gespräch mit dem gewitzten Zeitzeugen Sokorski, der die deutsche Sprache hervorragend beherrscht, lobt der vitale 82jährige die einfühlsame Präzision der Dirigentin Natalie Schwarzer und das homogen agierende Ensemble des Landesjugend-Symphonieorchesters Hessen. Daß der Pianist gerade Werke von Joseph Conrad vertont, deutet die Tochter nebenbei an. Im März des nächsten Jahres soll es ein Wiederhören in Wiesbaden geben, versprechen Vater und Tochter beim Abschied.

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Wiesbadener Kurier vom 23.09.98

Küßchen - nicht nur für Dornröschen

FilmBühne Caligari: Stummfilm mit Live-Musik

Die Wiesbadener Premiere des stummen Dornröschens mit Orchesterbegleitung fand während der Maifestspiele 1988 statt. Da die Originalmusik des vom Maler und Filmarchitekten Paul Leni bereits 1917 inszenierten Märchenstoffes verlorengegangen war, beauftragte das Hessische Staatstheater den in Piastow/ Warschau lebenden Jerzy Sokorski mit einer neuen musikalischen Illustration des tonlosen Kostümschinkens.
Aus den Archiven der Wilhelm-Murnau-Stiftung wurde Lenis Stummfilmrarität jetzt wieder ausgegraben und vom Deutschen Institut für Filmkunde in Zusammenarbeit mit der Kulturkooperative "Die Cavallerotti" in der FilmBühne Caligari präsentiert als Auftakt zu mehreren Stummfilmprojekten, bei denen die gewohnte Klavierbegleitung von anderen Instrumenten und Ensembles ersetzt wird. Oskar Fischingers abstrakte "Studien & Optical Poems" aus den Zwanzigern und Dreißigern boten die adäquate Einstimmung auf eine reizvolle Mischung: 80 Jahre alter Film trifft zehn Jahre alte ausdrucksstarke, poetische Musik Sokorskis.
Gemeinsam mit Tochter Jagna Sokorska-Kwika war der 1916 auf der Krim geborene Sokorski zur deutsch-polnischen Begegnung angereist, die erneute "Dornröschen''-Aufführung mitzuerleben und nach dem 45minütigen Streifen Sängerin Sandra Reichard und Tochter am Flügel beim Vortrag einiger seiner Lieder zu begleiten. Von Altersmüdigkeit keine Spur beim Auftritt des junggebliebenen Charmeurs, der sich auf der Bühne noch immer wohl fühlt, vor allem in Gesellschaft geballter Weiblichkeit. Dirigentin Natalie Schwarzer, die mit sechs Mitgliedern des Landesjugend-Symphonie-Orchesters über zwei Monate lang Sokorsids Musik einstudiert hatte, wurde dann genauso mit Küßchen bedacht wie die Solistinnen.
Noch am Morgen hatte der vitale 82jährige ("Musiker und Komponisten müssen immer aktiv bleiben, das ist keine Frage des Alters, sondern des Willens") kurzentschlossen verschiedene Texte seiner neueren Kompositionen vom Original ins Deutsche übersetzt, um Sandra Reichard das "doch sehr schwierige Polnisch zu ersparen". An seiner eng an die optischen und dramaturgischen Vorgaben des Films angelehnten Partitur würde er auch heute nichts ändern, obwohl er vor zehn Jahren unter immensem Druck komponieren mußte: "Erst meine Tochter brachte mir den auf Video überspielten Film mit nach Warschau, als ich dann endlich einen Recorder besorgt hatte, blieben gerade noch 14 Tage bis zum Aufführungstermin".
An Ruhestand denkt Sokorski nicht: Gerade hat er in neun Heften Werke der bekanntesten polnischen Dichter des 20. Jahrhunderts zu "Polnischer Poesie in Liedern" verarbeitet, wenn er nicht selbst unterwegs ist, begleitet er seine Frau, die als Sopranistin auch auf deutschen Bühnenstand, zu Gastspielen, "auch wenn die ganz hohen Sopranstücke nicht mehr machbar sind, immer noch ein Vergnügen". Der nächste Termin in Wiesbaden - zusammen mit Tochter Jagna - steht auch schon: für März 1999 plant man in der Villa Clementine eine Sokorski-Soiree mit Kammermusik und einem Liederzyklus.
Peter Müller

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Wiesbadener Kurier vom 17.09.1998

Stummes "Dornröschen" mit Musik

Filmprojekt im Caligari / Komponist Sokorski kommt nach Wiesbaden

Seit 1980 sorgt das Deutsche Institut für Filmkunde dafür, daß in Wiesbaden das Genre Stummfilm zu seinem Recht kommt, immer wieder hat es dabei auch Aufführungen mit Musikbegleitung gegeben. Dieses soll künftig verstärkt der Fall sein, allein für die nächsten Monate sind sieben Termine angekündigt. Nicht nur ein Mann am Klavier wird dann für den richtigen Ton sorgen, auch Aufführungen mit anderem Instrumentarium und Ensembles sind vorgesehen.
Den Anfang macht am Montag, 21. September, um 19.50 Uhr die Präsentation von Paul Lenis Märchenfilm "Dornröschen" von 1917 mit der Musik von Jerzy Sokorski aus dem Jahr 1988. Es spielen Mitglieder des Landesjugend-Sinfonieorchesters unter der Leitung von Natalie Schwarzer, die in den vergangenen zwei Monaten mit einem Ensemble aus Streichquartett, Trompete und Klarinette das Werk einstudiert hat, das in Wiesbaden vor genau zehn Jahren bei den Internationalen Maifestspielen als Uraufführung zu hören war. Bei Sokorskis Arbeit handelt es sich nämlich um eine Auftragsproduktion, die damals vom Staatstheater und dem Deutschen Institut für Filmkunde an den polnischen Komponisten vergeben worden war. Dieser wird zur Wiederaufführung seiner Musik am Montag in der FilmBühne Caligari anwesend sein und nach dem knapp 50minütigen Streifen auch noch als Musiker zu hören sein: Er wird am Flügel die Sängerin Sandra Reichard begleiten, die drei seiner Lieder vortragen wird.
Die Veranstaltung entstand aus einer Zusammenarbeit des Deutschen Instituts für Filmkunde mit der Kulturkooperative "Die Cavallerotti - das kulturelle Netzwerk", die vor allem im Frankfurter Raum tätig ist. Vor zwei Jahren wurde sie gegründet, ist derzeit vom lockeren Zusammenschluß Kulturinteressierter zu einem Verein unterwegs und stellt nun im Caligari ihr erstes Projekt vor. Ein weiteres in Wiesbaden ist bereits fest geplant: Am 5. November ist die Villa Clementine für eine Soiree mit Werken von und Erläuterungen zu Felix Mendelssohn-Bartholdy gebucht. Das "Dornschen"-Projekt will man in ganz Deutschland zu Gesicht und zu Gehör bringen, erste Kontakte sind bereits geknüpft, über das deutsche Institut für Filmkunde sollen weitere folgen.
GK

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Wiesbadener Tagblatt vom 17.09.1998

Altes Märchen mit neuer Musik

Kompositionen von Jerzy Sokorski zum Stummfilm
"Dornröschen"

gw. "Dornröschen", Paul Leni's Stummfilm-Rarität von 1917, geht mit Live-Musikbegleitung am 21. September um 19.50 Uhr im Caligari über die Filmbühne (wir berichteten). Vor genau zehn Jahren hatte der 82jährige Komponist Jerzy Sokorski aus Piastow/Polen im Auftrag der Maifestspiele des Staatstheaters Wiesbaden den Stummfilm musikalisch zum Leben erweckt. Der auf der Krim geborene Zeitzeuge Sokorski ist im Caligari zu Gast und stellt am Piano nach der knapp einstündigen Vorführung mit der Sängerin Sandra Reichard einige Eigenkompositionen vor. "Es soll auch eine deutsch-polnische Begegnung werden", wünscht sich Rainer Hauptmann vom kulturellen Netzwerk "Die Cavallerotti" als Veranstalter der ungewöhnlichen Co-Produktion mit dem Deutschen Institut für Filmkunde. Dirigentin Natalie Schwarzer sammelte Erfahrungen mit der Jenaer Philharmonie und leitet das Kelkheimer Kammerorchester.
Als außerordentlich reizvoll empfindet die Dirigentin die "interessante Zusammenstellung der erst zehn Jahre alten, ausdruckstark poetischen Musik mit dem 80 Jahre alten historischen Film". Die zweimonatige Probenzeit mit sechs Mitgliedern des Landesjugend-Symphonie-Orchesters Hessen konzentriere sich auch auf die so schwierigen, hohe Präzision verlangenden Einsätze zu den mit Texttafeln unterlegten Spielszenen: "Der wunderschöne Märchenstoff wird durch die Musik von Jerzy Sokorski emotional ausgemalt."
Gerne möchten "die Cavallerotti", die ihren ironischen Namen den mittelalterlichen Stadtsoldaten der Sparte Maulhelden entlehnt haben, nach erfolgreicher Premiere ihr Stummfilmprojekt auch in Bonn, Hamburg, Leipzig und anderen Spielorten zeigen. Und für den 5. November ist in der Villa Clementine eine Matinee als Hommage an Mendelssohn-Bartholdy geplant.

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ÜBER 'DIE CAVALLEROTTI':

Wiesbadener Tagblatt vom 14.08.1999

Kreative Ideen mit einer inhaltlichen Substanz

Kooperative "Die Cavallerotti" will in Wiesbaden ein kulturelles Netzwerk zur Förderung des Nachwuchses aufbauen

dh. Die Idee zur Wiesbadener Kulturkooperative "Die Cavallerotti" wurde im Oktober 1996 geboren. Seither bemüht sich der Zusammenschluss von Künstlern, Musikern, Filmschaffenden und Dozenten darum, ein kulturelles Netzwerk zu knüpfen, das Projekte und Initiativen mit Nachwuchstalenten unterschiedlicher Ausprägung ermöglicht. Angesprochen sind Künstler mit hoher Qualifikation, die jedoch aufgrund des "überfüllten Marktes" im konventionellen Rahmen bisher kaum Betätigungsfelder finden konnten. Gemeinsam soll innerhalb der Kooperative nach Formen gesucht werden, um eigenständige Projekte zu realisieren und somit den künstlerischen Dialog weiterzuentwickeln. Durch den Kooperativansatz könne auch mit wenig Geld aber viel Engagement erhebliches geleistet werden, so ist sich Rainer Hauptmann, Initiator und Leiter der "Cavallerotti" sicher.
Die bisher geleistete Arbeit gibt ihm dabei recht. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Filmkunde wurde im September 1997 der Paul-Leni-Film "Dornröschen" aus dem Jahre 1917, musikalisch begleitet von einer Komposition für Salonorchester des polnischen Komponisten Jerzy Sokorski, aufgeführt. Unter Leitung der Frankfurter Dirigentin Natalie Schwarzer spielten damals Mitglieder des Landesjugendorchesters Hessen. Mit diesem Programm gastierten die Musiker mittlerweile auch in Hamburg, weitere Gastspiele in Deutschland sind in Planung.
"Diese Musik wurde ermordet", hieß eine Kombination aus Lesung und Musikvortrag "mit der vor allem die antisemitischen Anfeindungen, denen sich der jüdisch-stämmige Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy ausgesetzt sah, näher beleuchtet wurden. Die Korrespondenz zwischen Vortrag und Musik, die Auseinandersetzung und nicht bloße Interpretation von Musik war ausschlaggebend bei den Veranstaltungen. Gerade ist die Produktion einer Dokumentations-CD abgeschlossen, die den Vortrag und den kompletten Liederzyklus op. 65 sowie das ursprüngliche Konzertprogramm beinhaltet. Die Doppel-CD soll nahezu zum Selbstkostenpreis vor allem an Bildungseinrichtungen abgegeben werden, um eine intensivere Beschäftigung mit dem Themenkomplex zu ermöglichen.
Rainer Hauptmanns Konzept bei allen Aktivitäten folgt einer eigentlich schlichten Formel: "Wir wollen Themen aufgreifen, die uns faszinieren." Heraus kommt wohl keine populäre Unterhaltung, denn "das können andere besser". Wohl aber entstehen im Verbund mit der Kulturkooperative kreative Ideen mit inhaltlicher Substanz. Die künstlerische Eigenständigkeit bleibt stets gewahrt, da die bewussten Altemativ-Modelle weniger dem ökonomischen Zwang als der konsequenten Realisierung der gesetzten kulturellen Ziele folgen. Dabei müssen die "Cavallerotti" auch nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Oftmals reicht es, Kontakte herzustellen oder Denkanstöße zu geben.
So entwickelt sich zur Zeit ein immer weiter gespanntes Netz von Personen, Ideen und Projektvorstellungen. Hauptmann selbst zieht seine Motivation, oft auch langwierige Verhandlungen und organisatorische Vorhaben durchzustehen, aus einer ehrlichen Begeisterung. Lange Zeit arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen auf und an der Bühne, bis er schließlich in einer freien Filmproduktion während eines Orchesterworkshops auf die Idee der Kooperative kam. Mittlerweile haben ihm seine Aktivitäten die Gelegenheit geschaffen, an einem Kulturmanagementstudium in München teilzunehmen, aber auch dort werden weiterhin die Fäden gesponnen.
Übrigens: "Cavallerotti" ist die Bezeichnung der als unzuverlässig, wankelmütig und kleinbürgerlich geltenden Parteigänger und Schwertleute im Italien des Trecento. Es handelte sich dabei um die unterste Oberschicht, die bei politischen Entscheidungen zumeist durch ihre Korrumpierbarkeit und Tücke auffiel und ihr Mäntelchen in den jeweils wehenden Wind hing. Eine Anspielung, die bewusst mit einem augenzwinkernden Seitenhieb auf das Gerangel in der freien Kulturszene gewählt wurde, verrät Hauptmann.

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