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| Günzburger
Zeitung vom 19.11.2003 Seichte Salonmusik? Gesprächskonzert zur Rehabilitierung von Mendelssohn Ichenhausen (hli). Dass die Werke des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Zeit des Nationalsozialismus geächtet waren und nicht aufgeführt werden durften, weiss jeder, der sich ein wenig in der Musikgeschichte auskennt. Dass die Demontage Mendelssohns aber schon zu seinen Lebzeiten begann und das Unrecht, das seiner Musik widerfahren ist, sich in die Gegenwart fortsetzt, dürfte nur wenigen bekannt sein. Uwe Schmidt machte sich beim Gesprächskonzert in der ehemaligen Synagoge zum engagierten Anwalt Mendelssohns. Das stärkste "Argument" für den Komponisten war indes seine Musik selbst. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein jüdischer Kapellmeister und Komponist Johann Sebastian Bachs Grösse erkannte und dem in Vergessenheit Geratenen die Beachtung zurückgewann, die er verdient. Aber nicht einmal dieses Verdienst von Felix Mendelssohn-Bartholdy ist ihm ungeschmälert angerechnet worden. Man verkleinerte einfach seine Rolle bei der Wiederentdeckung und Wiederaufführung der "Matthäus-Passion". Schwerer noch wog der Angriff auf Mendelssohns Musik. Zwei Motive lagen dem zu Grunde, wie Uwe Schmidt ausführte: das nationale Ideal im Vorfeld der Revolution von 1848 und der Versuch, durch die Diskreditierung der jüdischen Komponisten die Machtverhältnisse im damaligen Musikbetrieb zu Gunsten von Richard Wagner und Franz Liszt zu verschieben. Kälte, Glätte, Seelenlosigkeit und seichte Eleganz, das waren die Vorwürfe Wagners gegen seine jüdischen Konkurrenten. Und auch ins gängige Genie-Bild des 19. Jahrhunderts wollte Mendelssohn nicht passen. Wer keine Not leiden und sich seine künstlerische Existenz nicht bitter erkämpfen musste, dessen Werk konnte nicht gut sein. Schmidt brachte dies, Friedrich Nietzsche zitierend, auf den Punkt: Mendelssohn sei "der schönste Zwischenfall der deutschen Musik" gewesen. 1934 wurde ein deutscher Kapellmeister entlassen, weil er in einem Jugendkonzert Mendelssohns "Sommernachtstraum" aufführte und damit sich der "Brunnenvergiftung Jugendlicher" schuldig gemacht habe. 1936 wollte eine Delegation englischer Musiker, zu Gast beim Gewandhausorchester in Leipzig, zum Denkmal Mendelssohns pilgern. Aber das war eilig über Nacht entfernt worden. Das sind zwei der von Schmidt angeführten Begebenheiten, die erhellen, wie sehr es sich die Nationalsozialisten zur Pflicht machten, Mendelssohns Musik auszumerzen. Viele der Musikwissenschaftler, die sich während der NS-Zeit darum bemühten, die Musik jüdischer Komponisten als minderwertig auszuweisen, hätten in der Nachkriegszeit die Lehrstühle an den Universitäten besetzt und von dort aus weiterhin das Bild des jüdischen Komponisten als eines charmanten, oberflächlichen Dandys gepflegt und verbreitet, erklärte Schmidt. Das Ergebnis sei, dass Mendelssohn bis heute in den Konzertsälen und in der Musikindustrie nicht angemessen vertreten sei. Passagenweise polternd,
laut deklamierend artikulierte Schmidt das Ärgernis, dass Mendelssohn ein
jüdischer Komponist sei, dessen Musik man zu "morden" versucht
habe. Er lieferte schlagende Beweise, vielleicht zu viele, aber mit Worten beweisen
lässt es sich nicht, ob Mendelssohns Musik wirklich "groß"
ist. Das können nur sein herrliches Violinkonzert, die kunstfertigen Symphonien,
die ergreifenden Oratorien, die brillianten Klaviertrios... Sabine Thies (Sopran),
Sandra Fathali (Mezzosopran und Natalie Schwarzer (Klavier) hatten die eigentlichen
Argumente für Mendelssohns Genie. Dabei waren die Lieder, die sie gekonnt
vortrugen, von ganz unterschiedlichem Charakter. Und so manches, beispielsweise
der "Gruss" nach einem Gedicht von Heinrich Heine, mit seiner wunderbar
anschmiegsamen Melodie, würde die Kritiker Mendelssohns darin bestätigt
haben, diese Musik sei zu gefällig, zu schön. Über jeden Zweifel
erhaben dürften die vorgetragenen Ausschnitte aus dem "Elias" sein.
Tief ergreifend war das flehende "Zion streckt ihre Hände aus"
von Sabine Thies, unter das sich warm Sandra Fathalis Stimme legte. Wer hartnäckig
leugnet, diese Musik atme Seelentiefe, dem ist nicht zu helfen. | ||
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Leipziger Volkszeitung vom 2.10.2000 Matinee im Mendelssohn-Haus: Tatsächlich,
antisemitische Vorbehalte musste Felix
Mendelssohn Bartholdy auch als Gewandhauskapellmeister in einer Leipziger
Zeitung über sich ergehen lassen. Doch die heftigen Angriffe auf den von
den meisten Leipziger Musik-Liebhabern gefeierten Komponisten, Dirigenten und
Musikorganisator begannen erst nach seinem Tod in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts. Ihren schlimm-fatalen Höhepunkt erreichten sie mit dem
Verbot der Musik Mendelssohns in Hitler-Deutschland und der Zerstörung des
Denkmals vor dem "zweiten" Gewandhaus in Leipzig. | ||
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Leipziger Volkszeitung vom 29.09.2000 Sonntagsmusik
im Leipziger Mendelssohn-Haus: Den
nahe liegendsten Veranstaltungsort hat sich das Kulturnetzwerk "Die
Cavallerotti e. V." aus Frankfurt am Main für sein Programm
".Diese Musik wurde ermordet!' Felix
Mendelssohn Bartholdy: Leben und Werk im Lichte antisemitisch-musikwissenschaftlicher
Demagogie" ausgesucht. | ||
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Wiesbadener Tagblatt vom 8.12.1998 Verschiedene Ansätze vereinen:"Ambitio" veranstaltet eine "Kleine Kulturwoche im Großen Tattersall" rg. Mit einem kontrastreichen kulturellen Angebot beendet die Wiesbadener Jugend-und Kulturvereinigung Ambitio unter dem Titel "Kleine Kulturwoche im Großen Tattersall" ihr erstes Wirkungsjahr. Die Veranstalter wollen damit die Brücke zwischen unterschiedlichen kulturellen Ansätzen schlagen, um sie gleichberechtigt nebeneinander und ihre Vereinbarkeit unter Beweis zu stellen. Begonnen wird am Dienstag, 15. Dezember, um 19.30 Uhr mit einer SprayCanArt- und Mobilienausstellung "Urban Design". Ausgestellt werden Werke der Wiesbadener Künstler Manuel Gerullis und Bruno Bernhard. Beide erkennen ein gesellschaftlich steigendes Bewußtsein für Licht und Farben, die "auf emotionaler, mentaler und physischer Ebene" wirken. Internationale bis lokale Strömungen dieser Kunstrichtung sind Thema der begleitenden Photo- und Videodokumentation. Den Vormittag des 16. Dezembers nutzt Ambitio ab 11 Uhr für ein Informationsfrühstück mit Fragen und Gesprächen über Intentionen und Projekte des Verbandes. Am Abend tritt der international renommierte deutsch-chilenische Schauspieler Peter Lehmann um 20 Uhr mit seiner Theaterfassung des Romans "Der Bataraz" von Mauricio Rosenhof auf. Auf eindringliche Weise wird das Schicksal eines politischen Gefangenen unter der Diktatur Pinochets thematisiert. Im Anschluß an die Aufführung ist ein Austausch mit Zeitzeugen zur chilenischen Diktatur vorgesehen. Die Einnahmen aus der Veranstaltung sind für die Flutkatastrophenopfer in 0cotal/Nicaragua vorgesehen. Konrad-Jürgen Kleinicke präsentiert am Donnerstag, 17. Dezember, um 11 Uhr in einem "Kabarett am Vormittag" sein Programm "Tierisch allzu Menschliches". Geboten werden "Vergnügliche Nachdenklichkeiten" mit Texten prominenter Autoren sowie Chansons und eigenen Improvisationen. Der Abend ist ab 20 Uhr dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet. In einem musikhistorischen Vortrag von Rainer Hauptmann und einem Konzertteil mit jungen Musikern der Region werden Werk und Person "im Lichte antisemitisch-musikwissenschaftlicher Demagogie" beleuchtet. Am folgenden Freitag, 18. Dezember stehen Wiesbadener Politiker Rede und Antwort zu der Frage "Kein Geld für Kultur?". Neben verschiedenen Akteuren der Wiesbadener Kulturszene haben Kulturdezernent Peter J. Riedle und der SPD-Vertreter im Kulturausschuß, Günther Gablenz. ihre Teilnahme zugesagt. Angefragt wurde auch die Kandidatin der Grünen für das Kulturressort, Rita Thies. Die Programmreihe endet um 20 Uhr mit einer Abschlußparty "Nightmare before Christmas", die gemeinsam mit der Jugendausbildungsgruppe des Vereins "Hilfe für Kinder und Jugendliche" durchgeführt wird. | ||
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Wiesbadener Tagblatt vom 7.11.1998 Als ein Salonmusiker der leichten
Muse verkannt | ||
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Wiesbadener Tagblatt vom 14.08.1999 Kreative Ideen mit einer inhaltlichen Substanz | ||
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