Portrait Felix MendelssohnZur VillenansichtZum GedenkschildGrabstätte der Cécile MendelssohnGrabstätte der Cécile MendelssohnPortrait Felix Mendelssohn

"Wir haben keine Heimat mehr..."

Felix Mendelssohn Bartholdy:
Der schönste Zwischenfall der

deutschen Musik ?

Leben und Werk im Zwielichte des Antisemitismus -

ein Gesprächskonzert

Hier geht's zur Projekt-Auswahlseite

Programm
"Wir haben keine Heimat mehr..."
Nov. 2005

Besetzung

Essay
Felix Mendelssohn
- eine Geschichte kulturellen
Antisemitismus in Deutschland
im 19. u. 20. Jhrdt

Hörproben

zurück zur Startseite

Kontakt

T e r m i n e  !

Villa Nassovia

 Cécile Mendelssohn


Günzburger Zeitung vom 19.11.2003

Seichte Salonmusik?

Gesprächskonzert zur Rehabilitierung von Mendelssohn

Ichenhausen (hli). Dass die Werke des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Zeit des Nationalsozialismus geächtet waren und nicht aufgeführt werden durften, weiss jeder, der sich ein wenig in der Musikgeschichte auskennt. Dass die Demontage Mendelssohns aber schon zu seinen Lebzeiten begann und das Unrecht, das seiner Musik widerfahren ist, sich in die Gegenwart fortsetzt, dürfte nur wenigen bekannt sein. Uwe Schmidt machte sich beim Gesprächskonzert in der ehemaligen Synagoge zum engagierten Anwalt Mendelssohns. Das stärkste "Argument" für den Komponisten war indes seine Musik selbst.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein jüdischer Kapellmeister und Komponist Johann Sebastian Bachs Grösse erkannte und dem in Vergessenheit Geratenen die Beachtung zurückgewann, die er verdient. Aber nicht einmal dieses Verdienst von Felix Mendelssohn-Bartholdy ist ihm ungeschmälert angerechnet worden. Man verkleinerte einfach seine Rolle bei der Wiederentdeckung und Wiederaufführung der "Matthäus-Passion". Schwerer noch wog der Angriff auf Mendelssohns Musik. Zwei Motive lagen dem zu Grunde, wie Uwe Schmidt ausführte: das nationale Ideal im Vorfeld der Revolution von 1848 und der Versuch, durch die Diskreditierung der jüdischen Komponisten die Machtverhältnisse im damaligen Musikbetrieb zu Gunsten von Richard Wagner und Franz Liszt zu verschieben. Kälte, Glätte, Seelenlosigkeit und seichte Eleganz, das waren die Vorwürfe Wagners gegen seine jüdischen Konkurrenten. Und auch ins gängige Genie-Bild des 19. Jahrhunderts wollte Mendelssohn nicht passen. Wer keine Not leiden und sich seine künstlerische Existenz nicht bitter erkämpfen musste, dessen Werk konnte nicht gut sein. Schmidt brachte dies, Friedrich Nietzsche zitierend, auf den Punkt: Mendelssohn sei "der schönste Zwischenfall der deutschen Musik" gewesen.

1934 wurde ein deutscher Kapellmeister entlassen, weil er in einem Jugendkonzert Mendelssohns "Sommernachtstraum" aufführte und damit sich der "Brunnenvergiftung Jugendlicher" schuldig gemacht habe. 1936 wollte eine Delegation englischer Musiker, zu Gast beim Gewandhausorchester in Leipzig, zum Denkmal Mendelssohns pilgern. Aber das war eilig über Nacht entfernt worden. Das sind zwei der von Schmidt angeführten Begebenheiten, die erhellen, wie sehr es sich die Nationalsozialisten zur Pflicht machten, Mendelssohns Musik auszumerzen.

Viele der Musikwissenschaftler, die sich während der NS-Zeit darum bemühten, die Musik jüdischer Komponisten als minderwertig auszuweisen, hätten in der Nachkriegszeit die Lehrstühle an den Universitäten besetzt und von dort aus weiterhin das Bild des jüdischen Komponisten als eines charmanten, oberflächlichen Dandys gepflegt und verbreitet, erklärte Schmidt. Das Ergebnis sei, dass Mendelssohn bis heute in den Konzertsälen und in der Musikindustrie nicht angemessen vertreten sei.

Passagenweise polternd, laut deklamierend artikulierte Schmidt das Ärgernis, dass Mendelssohn ein jüdischer Komponist sei, dessen Musik man zu "morden" versucht habe. Er lieferte schlagende Beweise, vielleicht zu viele, aber mit Worten beweisen lässt es sich nicht, ob Mendelssohns Musik wirklich "groß" ist. Das können nur sein herrliches Violinkonzert, die kunstfertigen Symphonien, die ergreifenden Oratorien, die brillianten Klaviertrios... Sabine Thies (Sopran), Sandra Fathali (Mezzosopran und Natalie Schwarzer (Klavier) hatten die eigentlichen Argumente für Mendelssohns Genie. Dabei waren die Lieder, die sie gekonnt vortrugen, von ganz unterschiedlichem Charakter. Und so manches, beispielsweise der "Gruss" nach einem Gedicht von Heinrich Heine, mit seiner wunderbar anschmiegsamen Melodie, würde die Kritiker Mendelssohns darin bestätigt haben, diese Musik sei zu gefällig, zu schön. Über jeden Zweifel erhaben dürften die vorgetragenen Ausschnitte aus dem "Elias" sein. Tief ergreifend war das flehende "Zion streckt ihre Hände aus" von Sabine Thies, unter das sich warm Sandra Fathalis Stimme legte. Wer hartnäckig leugnet, diese Musik atme Seelentiefe, dem ist nicht zu helfen.

zum Artikelbeginnzum Seitenbeginn

Leipziger Volkszeitung vom 2.10.2000

Matinee im Mendelssohn-Haus:

Allen Demagogen zum Trotz -
die Musik des Komponisten lebt

Tatsächlich, antisemitische Vorbehalte musste Felix Mendelssohn Bartholdy auch als Gewandhauskapellmeister in einer Leipziger Zeitung über sich ergehen lassen. Doch die heftigen Angriffe auf den von den meisten Leipziger Musik-Liebhabern gefeierten Komponisten, Dirigenten und Musikorganisator begannen erst nach seinem Tod in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihren schlimm-fatalen Höhepunkt erreichten sie mit dem Verbot der Musik Mendelssohns in Hitler-Deutschland und der Zerstörung des Denkmals vor dem "zweiten" Gewandhaus in Leipzig.
Rainer Hauptmann, Gründer, Dramaturg und künstlerischer Leiter des kulturellen Netzwerkes "Die Cavallerotti" in Frankfurt a. M., trug in der Matinee "Diese Musik wurde ermordet" im Mendelssohn-Haus sachlich und beweiskräftig Fakten vor. Dabei hatte er zuletzt das ebenfalls beschämende Kapitel "Die Jahre 1945 bis 1997" zu beleuchten. Es zeigt die pseudomusikwissenschaftlichen Demagogen des braunen Reiches in den alten Bundesländern weiter ungehindert in Musikgeschichten und Lehrbüchern am Wirken - im Gegensatz zu Georg Kneplers fundiertem Mendelssohn-Bild in der "Musikgeschichte des XIX. Jahrhunderts" (Henschel-Verlag Berlin, 1961/62) und der Mendelssohn-Pflege vor allem des Leipziger Gewandhauses, besonders unter Masur.
Junge Künstler der Frankfurter "Cavallerottis", Judith Bauer (Sopran), Sandra Fathali (Mezzosopran), Stephan Volkheimer (Bass), Tibor Stettin und Alexandra Kalbe (Klavier) boten an diesem anregenden Vormittag mit großer innerer Bewegtheit und starkem Ausdruck Lieder, Duette und Klavierstücke Mendelssohns, die auch während der braunen Jahre nicht zu ermorden waren: Weil sie dem Verbot zum Trotz in der deutschen Musikkultur fest verwurzelt sind und aus der Hausmusik nicht verbannt werden konnten.
Werner Wolf

zum Artikelbeginnzum Seitenbeginn

Leipziger Volkszeitung vom 29.09.2000

Sonntagsmusik im Leipziger Mendelssohn-Haus:

Gegen Demagogen-Nachlass

Den nahe liegendsten Veranstaltungsort hat sich das Kulturnetzwerk "Die Cavallerotti e. V." aus Frankfurt am Main für sein Programm ".Diese Musik wurde ermordet!' Felix Mendelssohn Bartholdy: Leben und Werk im Lichte antisemitisch-musikwissenschaftlicher Demagogie" ausgesucht.
Im Mendelssohn-Haus in der Goldschmidtstraße erinnert die Kulturkooperative am kommenden Sonntag ab 11 Uhr an den in Leipzig von 1835 bis 1847 lebenden und tätigen Komponisten und Gewandhauskapellmeister, der Jüdischen Glaubens war. "Deshalb sind Person und Werk Mendelssohns auch heute noch immer den Nachwirkungen zwiespältiger Einschätzungen unterworfen", sagt Rainer Hauptmann von "Die Cavallerotti".
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts heftete chauvinistisches Gerede vom "Judenthum in der Musik" Mendelssohns Werken den Ruf von Glätte, perfektionistischer Kälte und leerer Formelhaftigkeit an. Unter nationalsozialistischer Diktatur durfte seine Musik gar nicht mehr zur Aufführung gebracht werden.
Neben musikhistorischen Darlegungen werden die Kompositionen Duette op. 63, Solo-Lieder der Geschwister Mendelssohn und das Rondo capriccioso E-Dur op. 14 dargeboten. Die Ausführenden sind Absolventen und Studenten im Fach Gesang und Klavier der Musikhochschule Frankfurt am Main sowie Gesangspädagogen der Frankfurter Oper.
r.

zum Artikelbeginnzum Seitenbeginn

Wiesbadener Tagblatt vom 8.12.1998

Verschiedene Ansätze vereinen:

"Ambitio" veranstaltet eine
"Kleine Kulturwoche im Großen Tattersall"


rg. Mit einem kontrastreichen kulturellen Angebot beendet die Wiesbadener Jugend-und Kulturvereinigung Ambitio unter dem Titel "Kleine Kulturwoche im Großen Tattersall" ihr erstes Wirkungsjahr. Die Veranstalter wollen damit die Brücke zwischen unterschiedlichen kulturellen Ansätzen schlagen, um sie gleichberechtigt nebeneinander und ihre Vereinbarkeit unter Beweis zu stellen.
Begonnen wird am Dienstag, 15. Dezember, um 19.30 Uhr mit einer SprayCanArt- und Mobilienausstellung "Urban Design". Ausgestellt werden Werke der Wiesbadener Künstler Manuel Gerullis und Bruno Bernhard. Beide erkennen ein gesellschaftlich steigendes Bewußtsein für Licht und Farben, die "auf emotionaler, mentaler und physischer Ebene" wirken. Internationale bis lokale Strömungen dieser Kunstrichtung sind Thema der begleitenden Photo- und Videodokumentation.
Den Vormittag des 16. Dezembers nutzt Ambitio ab 11 Uhr für ein Informationsfrühstück mit Fragen und Gesprächen über Intentionen und Projekte des Verbandes. Am Abend tritt der international renommierte deutsch-chilenische Schauspieler Peter Lehmann um 20 Uhr mit seiner Theaterfassung des Romans "Der Bataraz" von Mauricio Rosenhof auf. Auf eindringliche Weise wird das Schicksal eines politischen Gefangenen unter der Diktatur Pinochets thematisiert. Im Anschluß an die Aufführung ist ein Austausch mit Zeitzeugen zur chilenischen Diktatur vorgesehen. Die Einnahmen aus der Veranstaltung sind für die Flutkatastrophenopfer in 0cotal/Nicaragua vorgesehen.
Konrad-Jürgen Kleinicke präsentiert am Donnerstag, 17. Dezember, um 11 Uhr in einem "Kabarett am Vormittag" sein Programm "Tierisch allzu Menschliches". Geboten werden "Vergnügliche Nachdenklichkeiten" mit Texten prominenter Autoren sowie Chansons und eigenen Improvisationen. Der Abend ist ab 20 Uhr dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet. In einem musikhistorischen Vortrag von Rainer Hauptmann und einem Konzertteil mit jungen Musikern der Region werden Werk und Person "im Lichte antisemitisch-musikwissenschaftlicher Demagogie" beleuchtet.
Am folgenden Freitag, 18. Dezember stehen Wiesbadener Politiker Rede und Antwort zu der Frage "Kein Geld für Kultur?". Neben verschiedenen Akteuren der Wiesbadener Kulturszene haben Kulturdezernent Peter J. Riedle und der SPD-Vertreter im Kulturausschuß, Günther Gablenz. ihre Teilnahme zugesagt. Angefragt wurde auch die Kandidatin der Grünen für das Kulturressort, Rita Thies.
Die Programmreihe endet um 20 Uhr mit einer Abschlußparty "Nightmare before Christmas", die gemeinsam mit der Jugendausbildungsgruppe des Vereins "Hilfe für Kinder und Jugendliche" durchgeführt wird.

zum Artikelbeginnzum Seitenbeginn

Wiesbadener Tagblatt vom 7.11.1998

Als ein Salonmusiker der leichten Muse verkannt

Das Netzwerk "Die Cavallerotti" widmete in der Villa Clementine einen Abend den Kompositionen Felix Mendelssohns

dh. "Die Musik Felix Mendelssohns ist keines natürlichen Todes gestorben. Sie wurde ermordet." So fasste es Heinrich Eduard Jacob 1958 zusammen. Er skizzierte somit in wenigen Worten den Umgang der Zeitgenossen und späterer Generationen mit der Person und dem Werk des jüdischstämmigen Komponisten. Der Untertitel des Abends stellt Mendelssohn als Opfer antisemitisch-musikwissenschaftlicher Demagogie in den Vordergrund.

In Zusammenarbeit des Vereins "Die Cavallerotti - das kulturelle Netzwerk" mit dem Deutschen Institut für Filmkunde war eine reichhaltige Collage aus musikalischer Aufbereitung und eingehendem Plädoyer für eine ernsthaftere Umgangsform mit dem Komponisten entstanden. Trotz der durchaus vielversprechenden Ankündigungen hatten nur wenige Besucher den Weg in die Villa Clementine gefunden. Sieben junge Künstler stellten den Facettenreichtum des bisweilen als Salonmusiker der leichten Muse verkannten Mendelssohn dar. Das enorme Liedrepertoire, das der Komponist hinterliess, reizt heute mehr denn je zur erneuten Interpretation. Judith Bauer (Sopran), Judith Reichenbach (Mezzosopran), und Stephan Volkheimer (Bass) nahmen sich dieser Aufgabe mit sichtbarer Intensität an. Musikalische Reife zeichnet sie ebenso wie ihren souveränen Klavierbegleiter Tibor Stettin aus. Eine nicht eben leichte Aufgabe hatte sich zum Ende das junge Amabile-Trio gesetzt.

Das Klaviertrio Op. 49 d-moll weist neben enormen technischen Anforderungen auch ein hohes Mass an musikalischer Komplexität auf. Diese herauszuarbeiten stellt die beteiligten Musiker vor die Aufgabe eines klanglichen Spagats. Jenseits von übertrieben forcierter Melodieverliebtheit konnten Stefanie Irrgang (Violine), Johanna Zur (Cello) und Kirsten Thur (Piano) überzeugen. Rasante Läufe gerade im Cello konnten ebenso natürlich, dabei nahezu routiniert vermittelt werden. Hierbei verloren die drei Musikerinnen nur selten den emotionalen Zugang zu ihrem Spiel. Als weitere Koproduktion der Veranstalter wird am Montag, 9. November um 19 Uhr im Caligari die Schumann/ Mendelssohn-Biographie "Frühlingssymphony" gezeigt.

zum Artikelbeginnzum Seitenbeginn

ÜBER "DIE CAVALLEROTTI":

Wiesbadener Tagblatt vom 14.08.1999

Kreative Ideen mit einer inhaltlichen Substanz

Kooperative "Die Cavallerotti" will in Wiesbaden ein kulturelles Netzwerk zur Förderung des Nachwuchses aufbauen


dh. Die Idee zur Wiesbadener Kulturkooperative "Die Cavallerotti" wurde im Oktober 1996 geboren. Seither bemüht sich der Zusammenschluss von Künstlern, Musikern, Filmschaffenden und Dozenten darum, ein kulturelles Netzwerk zu knüpfen, das Projekte und Initiativen mit Nachwuchstalenten unterschiedlicher Ausprägung ermöglicht. Angesprochen sind Künstler mit hoher Qualifikation, die jedoch aufgrund des "überfüllten Marktes" im konventionellen Rahmen bisher kaum Betätigungsfelder finden konnten. Gemeinsam soll innerhalb der Kooperative nach Formen gesucht werden, um eigenständige Projekte zu realisieren und somit den künstlerischen Dialog weiterzuentwickeln. Durch den Kooperativansatz könne auch mit wenig Geld aber viel Engagement erhebliches geleistet werden, so ist sich Rainer Hauptmann, Initiator und Leiter der "Cavallerotti" sicher.
Die bisher geleistete Arbeit gibt ihm dabei recht. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Filmkunde wurde im September 1997 der Paul-Leni-Film "Dornröschen" aus dem Jahre 1917, musikalisch begleitet von einer Komposition für Salonorchester des polnischen Komponisten Jerzy Skorsky, aufgeführt. Unter Leitung der Frankfurter Dirigentin Natalie Schwarzer spielten damals Mitglieder des Landesjugendorchesters Hessen. Mit diesem Programm gastierten die Musiker mittlerweile auch in Hamburg, weitere Gastspiele in Deutschland sind in Planung.
"Diese Musik wurde ermordet", hieß eine Kombination aus Lesung und Musikvortrag "mit der vor allem die antisemitischen Anfeindungen, denen sich der jüdischstämmige Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy ausgesetzt sah, näher beleuchtet wurden. Die Korrespondenz zwischen Vortrag und Musik, die Auseinandersetzung und nicht bloße Interpretation von Musik war ausschlaggebend bei den Veranstaltungen. Gerade ist die Produktion einer Dokumentations-CD abgeschlossen, die den Vortrag und den kompletten Liederzyklus op. 65 sowie das ursprüngliche Konzertprogramm beinhaltet. Die Doppel-CD soll nahezu zum Selbstkostenpreis vor allem an Bildungseinrichtungen abgegeben werden, um eine intensivere Beschäftigung mit dem Themenkomplex zu ermöglichen.
Rainer Hauptmanns Konzept bei allen Aktivitäten folgt einer eigentlich schlichten Formel: "Wir wollen Themen aufgreifen, die uns faszinieren." Heraus kommt wohl keine populäre Unterhaltung, denn "das können andere besser". Wohl aber entstehen im Verbund mit der Kulturkooperative kreative Ideen mit inhaltlicher Substanz. Die künstlerische Eigenständigkeit bleibt stets gewahrt, da die bewussten Altemativ-Modelle weniger dem ökonomischen Zwang als der konsequenten Realisierung der gesetzten kulturellen Ziele folgen. Dabei müssen die "Cavallerotti" auch nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Oftmals reicht es, Kontakte herzustellen oder Denkanstöße zu geben.
So entwickelt sich zur Zeit ein immer weiter gespanntes Netz von Personen, Ideen und Projektvorstellungen. Hauptmann selbst zieht seine Motivation, oft auch langwierige Verhandlungen und organisatorische Vorhaben durchzustehen, aus einer ehrlichen Begeisterung. Lange Zeit arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen auf und an der Bühne, bis er schließlich in einer freien Filmproduktion während eines Orchesterworkshops auf die Idee der Kooperative kam. Mittlerweile haben ihm seine Aktivitäten die Gelegenheit geschaffen, an einem Kulturmanagementstudium in München teilzunehmen, aber auch dort werden weiterhin die Fäden gesponnen.
Übrigens: "Cavallerotti" ist die Bezeichnung der als unzuverlässig, wankelmütig und kleinbürgerlich geltenden Parteigänger und Schwertleute im Italien des Trecento. Es handelte sich dabei um die unterste Oberschicht, die bei politischen Entscheidungen zumeist durch ihre Korrumpierbarkeit und Tücke auffiel und ihr Mäntelchen in den jeweils wehenden Wind hing. Eine Anspielung, die bewusst mit einem augenzwinkernden Seitenhieb auf das Gerangel in der freien Kulturszene gewählt wurde, verrät Hauptmann.

zum Artikelbeginnzum Seitenbeginn